Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182999
Epos. 
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schränken muss, um die Disharmonien zu vermeiden, welche bisher von 
unserem politischen Leben unzertrennlich waren. 
Wenn wir noch einmal an das humoristische Epos anknüpfen, so 
kann uns dieses durch das komische Epos (Zachariae's Renommist u. s. 
w.) hinüberführen zur didactischen Epik. An das komische Epos granzt 
die Satire. Sie hat nicht mehr die Erfreuung der Phantasie zum Ziel, 
sondern die Absicht, ethisch zu wirken, das Tadelnswerthe oder Schlechte 
oder Verhasste zu treffen, zu verhöhnen, zu geisseln, durch Hohn und 
Spott zu schädigen oder zu vernichten. Oft steigert sie sich bis zum 
zornigen Verdammen, wo dann die Satire aufhört und Rache und Zorn 
allein herrschen. Je mehr der didactische Zweck verwaltet, desto weiter 
entfernt sich natürlich die Satire von der eigentlichen Dichtung, wie aus 
dem oben Auseinandergesetzten zu ersehen. 
Der Didactik gehört an das eigentliche Lehrgedicht, welches 11ament- 
lich in den Zeiten und für Zustände gebraucht wird, wo die Denkkraft 
noch der Unterstützung durch die Phantasie bedarf; das eigentlich be- 
schreibende Gedicht gehört gleichfalls hieher, welches bei allem Glanz 
der Schilderungen (siehe oben Stellung der Dichtung zur Malerei) sich 
nicht zur Höhe der erzählenden Dichtung hinaufschwingen oder darauf 
halten kann. Homers Kunst, die Beschreibung dadurch aufzulösen, 
dass er die Dinge vor unseren Augen entstehen lässt, also erzählt, ist so 
oft Gegenstand der Erörterung gewesen, dass es nur dieses einfachen 
Hinweises bedarf. (Ein beschreibendes Gedicht, in welchem trotz aller 
einzelnen Schönheiten der Dichter den Fehler jeder dichterischen Be- 
schreibung nicht aufzuheben verinocht hat, ist Ohilde Harold von Lord 
Byron.) Nach dem Gesagten bedarf es keiner längeren Erörterungen 
der Fabel und der Parabel. Beide haben lehrhafte Absicht, jene die- 
selbe gewöhnlich in eine, aus Thiersage u. drgl. abgeleitete Thier- 
erzählung verhiillend, die Parabel und parahelähnliche Erzählung durch 
eine menschliche Handlung u. drgl. lehrend. Die Legende hat, wie schon 
bemerkt, grosse Neigung, in die Parabel überzugehen. Der kürzeste 
epische Ausdruck, welcher Lehrhaftigkeit mit Anschaulichkeit verbindet 
und daher aus der Didactik noch in das Poetische hineinreicht, ist der 
Spruch, das Sprichwort. 
(Des Näheren ist auf die ausführlichen Einzelbehandlungen aller 
dieser Arten zu verweisen. Sodann auf die Lehrbücher der Aesthetik, 
besonders auf Vischer, bei dem auch die Literatur einzusehen. Auf den 
Streit und Widerstreit hinsichtlich vieler Punkte konnte hier keine Rück- 
sicht genommen werden).  
Was die epische Dichtung in Prosa anbelangt, so geht dieselbe 
vom einfachen Spruche bis zum umfassendsten Roman. Die hohe Dich- 
tung, dies gilt festzuhalten, verlangt die Kunstform; die gewöhnliche 
gemeinübliche Redeweise kann nicht harmonische Form der Ungewöhn- 
liehen, gesteigerten Dichtung sein. Der Form hat der Inhalt, dem In- 
Lemcke, Acsthetik. 1'. A119. 32
        

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