Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182953
Epos. 
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Kann man im Allgemeinen die romanischen Dome mit dem Volks- 
epos und die späteren gothischen mit demhöfischen vergleichen,  die- 
selbe geistige Strömllng schuf den gothischen Stil und die höfische 
Poesie  so hat sich doch die höfische Dichtung nicht auf der Höhe zu 
halten vermocht, wie der neue gothische Stil in der Baukunst. (Unter 
den wenigen grossen Meistern zeigt Hartmann von Aue in seinen Dich- 
tungen den reinsten epischen Stil, die nächste Verbindung mit dem 
Volkepos. Er nähert sich einer classischen Durchdringung und Har- 
monie von Inhalt und Form. Er hat unter den epischen Dichtern seiner 
Zeit das „schöne lllaass" wie kein Axiderer"). 
Unter dem Druck der Zeiten verdarb bald die deutsche Epik, 
die höfische wie die volkstliümliche. Es fiel Alles auseinander, wie das 
Reich, so die Dichtung. Und Rudolf von Habsburgs verständiges nüch- 
ternes Walten spiegelt sich dann auch wieder ab. Es gab nur noch 
Ueberschwang und Nüchternheit, Drang in's Tolle, Rohe, Ungebundene, 
Formlose, oder mystische Versenkung oder richtende Lehrhaftigkeit. 
Wahre Poesie, schöne Verschmelzung des Idealen und Realen, Realisi- 
rung des Ideals oder Idealisirung des Realen war wenig mehr zu finden. 
 Die schönen Dichtungen der höfischen Epik haben durchgehende 
Verse von vier Hebungen, paarweise gereimt, zuweilen unter-mischt mit 
Versen von nur drei Hebungen. Die Sprache ist bei den besten Dichtern 
von einer entzückenden Melodie.  Der Dichter nur hat rechte epische 
Kraft, der auf seinem Volke ruht, den dieses mit seinen Interessen und 
Sitten, mit allen seinen Kräften trägt, dem GS 8011011 den SWÜ im Ganzen 
vorgearbeitet hat. Bearbeitung fremder, fernliegender Stoffe kann nie 
ein wahres Epos ergeben. Für ein grosses Epos Neuheit des Stoffes 
verlangen, zeigt schon, dass man das Wesen eines Epos nicht richtig 
erkennt.  
Mit einer gewaltigen Subjectivitat, die aber in ihren strengen, gros- 
sen Zügen, launenlos und keine Tandelei kennendjmmer in's Bedeutende 
oder Leidenschaftliche arbeitend, einen ganz objectiven Eindruck auf 
den Hörer macht, so dichtet Dante seine göttliche Komödie. Den un- 
günstigen, vielfach unsinnlichen Stoff weiss er durch leidenschaftliche 
Eingriffe in seine Zeit, in sein Lieben und Hassen häufig der Erzählung 
gerechter zu machen. Je mehr er dazu Gelegenheit hat, desto fesseln- 
der sein Gedicht. Die Form desselben ist die der sich in einander 
schlingenden Terzinen. Ein Vers des Dreireims greift stets in die 
nächste Reihe über. 
Kraft, 
"Am Ende kamen wir bis zu der Spitze, 
Wo sich der Felsentrümmer letzte zeigt. 
Mir gliihtc Wfang" und Blut in solcher Hitze, 
Dass ich, sobald ich mich hinaufgeraHt, 
Mich keuchend niederliess auf einem Sitze. 
Mein Meister sprach: "Jetltvliiälllt dir frische
        

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