Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178097
Wechsel. 
Rhyth 
111.18  
Regelmässigkeit. 
39 
einer Form zur andern zeigen. Statt verschiedener Beispiele verweise 
ich nur auf die Wellenlinie, die den Anforderungen des Wechsels, der 
Einheit in der Vielheit vortrefilich entspricht. Da jeder Körper durch 
Linien begrenzt ist, so ist wohl von bildenden Künstlern in einseitiger 
Anschauung die Eurhythmie der Linien als das Wesen alles körperlich 
Schönen erklärt; und da die Wellenlinie für die schönste eurhythmiselie 
Linie gehalten wurde, so ist von denen, die dieses annahmen, z. B. von 
Hogarth die Wellenlinie für die Sehönheitslinie überhaupt erklärt 
worden. lelogarth machte sie deshalb zum ltiittclpunkte seiner ästhe- 
tischen Lehre und leitete alles Schöne aus der Welleiiliiiie ab, wonach, 
um nur Eins anzuführen, die Zopfarchitektur mit ihren Schnecken- 
windungen und geschweiften Linien für die schönste, die griechische 
dagegen für steif und langweilig erklärt werden musste. 
Was vom Nebeneinander im Raum gilt, gilt in seiner Weise vom 
Nebeneinander in der Zeitfclgc oder dem Nacheinander. Auch hier ist 
eine Ordnung, eine Gesetzinassigkeit, eine einheitlich zusammenzu- 
fassende Viellieit notlnveiidig; die Gliederung u. s. w. kommt inBetracht. 
Sehen wir näher auf die Zilsammensetzungg, so giebt Dasselbe in der- 
selben Weise aneinandergereiht, also etwa gleiche Töne gleich au- 
einandergesetzt, natürlich lilinförmigkeit. Ein solches gleiches Fort- 
schreiten in der Zeit ohne Wechsel, ewig der gleiche Ton, würde 
unerträglich. Das erste Aufheben der Eintönigkeit geschähe durch 
Unterbrechung des 'l'ons. Ein grösserer Wechsel durch Verstärkung 
oder Nachdruck, wie auch bei der räumlichen Linie anzuwenden. An- 
schaulich gemacht, ergebe dies L. , i  oder  ' oder d, V 
oder v b; ein grösserer Wechsel entsteht durch Veränderung der 
Zeitform, also etwa  e. oder V  u. s. w. Nun können aber auch die 
Töne selbst Mannigfaltigkeit haben, hoch, tief sein u. s. w., wobei eben- 
falls eine Ucberleitung, die Vermeidung der Contraste, zuweilen aber 
auch Oontraste je nach Umständen wohlgefällig sind. Das Zusammen- 
gehörige der Töne gehört in die Iilarmonielehre. 
Fassen wir die Gesetzmässigkeit eines Dinges näher in's Ailge, so 
kann sich diese einfacher oder zusammengesetzter zeigen, wie wir 
schon eben sahen. Bei der geraden Linie haben wir nur eine Er- 
scheinung, die Ausdehnung; es ist die einfachste Regelmässigkeit. 
Beim Kreise bewegt sich eine Linie nach einem Gesetz um ihr ein fest- 
stehendes Ende, wodurch sie den einfachst regelinassigen Raum im 
Kreise umfasst. Die Aenderungder Bichtung. jedes nach einander- 
folgenden Punktes der Kreislinie ist bei allen die gleiche. Gegenüber 
der Linie besitzt der Kreis also grossere liianmgfaltigkeit. Im Quadrat 
haben wir das regelmässigste Viereck, gleiche Winkel und gleiche 
Seiten. Es herrscht in dieser Regelmassigkeit die Einheit auch als 
Gleichheit vieler oder mehrerer Tllßllö vor. _Eine solche Regelmässig- 
keit ist hinsichtlich ihrer Uebersichthehkeit, ihrer Ordnung u. s. w. er-
        

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