Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178089
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S 
(Fortsetzung) 
Gleiche Theileinheiten in gleicher Weise aneinander-gesetzt, werden 
uns leicht den Eindruck einer übermässigen Einheit machen und dann 
nicht wohlgefällig erscheinen. Dadurch dass ich das Gleiche tingleieh 
aber doch nicht in widersprechender Weise aneinandersetze oder das 
Ungleiche aber sich nicht Widersprechende gleich aneinandersetze be- 
komme ich ei11e Freiheit, die doch in der Ordnung bleibt. Auch hin- 
sichtlich der Zusammensetzung der Theile herrscht durch den Wechsel 
eine Mehrheit. Der Wechsel der Theile oder der Form, der notlnvendig 
ist, um Wohlgefallen zu erregen, ist je nach den Dingen, gemass der 
ihnen innewohnenden Eigenschaften verschieden. Hier sollen nur 
einige Grundformen erwähnt werden. Wir erkennen beim räumlichen 
Nebeneinander, (welches wir beim Sehen meistens als Nacheinander 
mit dem Auge verfolgen), als wohlgefällig den Wechsel der Form, bei 
welchem die Uebergänge wohl vermittelt sind, nicht wie Gegensätze 
auftreten, sondern in einander überfliessen. Wir nennen solchen 
Wechsel rhythmisch. Jedes räumliche Nebeneinander können wir 
durch Linien begrenzt denken. Rhythmus der Linien also ist wohlge- 
fällig. So ist z. B. eine Linie wohlgefällig durch ihre Gesetzmassigkeit 
an sich d. h. die Gerade muss wahrhaft gerade seinl Eine solche Linie 
mit einer gleichen gleich zusammengesetzt, würde aber-immer wieder 
eine Gerade geben und diese übermässige Einheit der Form in's Un- 
endliche fortlaufend wirkt einförmig, ermüdend. Setze ich eine andere 
Gerade im Winkel gegen die erste, so ist die Einförmigkeit aufgehoben 
und der Oontrast zwischen beiden mag gegenüber der Einförmigkeit 
gefallen. Verbinde ich aber beide Linien, statt sie etwa im rechten 
Winkel gegeneinanderstossen zu lassen, durch eine Bogenlinie, welche 
von der Horizontalen zur Senkrechten überführt, so ist der Uebergang 
ein vermittelter, ohne dass die Contrastc verwischt sind. Beide sind 
lthythmisch mit einander verbunden. Der Rhythmus kann nun natür- 
hch freier auftreten, etwa in jedem Augenblicke ein Uebertliessen von
        

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