Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182719
Der 
Reim. 
469 
Helenuü 
Faust: 
Helena: 
Faust: 
Helcna: 
W'e1' mitgeniesst. 
Nun schaut der Geist nicht vorwärts, nicht zurück, 
Die Gegenwart allein  
Ist unser Glück.  
Schatz ist sie, Hochgewinn und Pfand; 
Bestätigung, wer giebt sie? 
Meine Hand. 
Ursprünglich galt schon die blusse Assonanz der Endvoeale als 
Bindung. S0 lange die Endungen eine klingendere, stärkere Betonung 
haben, waltet die Assonanz ziemlich frei  erst allmälig entwickelt sich 
der strengere umfassende Gleichlaut des Reims. 
Es beginnt z. B. unser ältestes deutsches Reimgedieht, der Krist 
des Mönches Otfried mit folgendem Lobe der Franken: 
Sie sint so sama kuani 
selb so thie Romani; 
nie tharf man thaz ouh redinon, 
thaz Kriachi in thes giwidaron. 
Sie eigun in zi nuzzi 
so samalicho Wizzi. 
in felde joh in Walde 
so sint sie sama balde. 
(Sie sind ebenso kühn, gerade wie die Römer; nicht darf (ein) Mann 
das auch reden, dass die Griechen sie darin übertreffen. Sie haben sich 
zum Nutzen gleicher Weise Klugheit, im Felde und im Walde, da sind 
sie gleich kühn.) Oder im Ludwigslied: 
Sang was gisungan, 
wig was bigunnan; 
bluot skein in wangon 
spilodun ther Vrankon. 
(Sang war gesungen, Kampf war begonnen, Blut schien in den 
Wangen, kämpften freudig da die Franken.) 
Die strenge Assonanz ist bei uns nur in Nachahmungen z. B. 
Spanischer u. a. Gedichte enthalten, bei denen ihre geringere Eindring- 
lichkeit dann aber in der Weise verstärkt ist, dass derselbe assonirende 
Klang durch das ganze Gedicht hindurch geht. Man sehe etwa Heineis 
Almansor, im ersten Gedicht mit seiner "u" Endung, im zweiten auf a, 
im dritten auf i assonirend, Donna Olara mit der o-Assonanz u. A. 
Schon während der Alliteration wird sicher beim Gesang eines 
Liedes das Ohr auf den Gleichlaut des Wortes geachtet haben. Ob der 
Reim nun den Deutschen durch den lateinischen Kirchengesang und 
dessen Nachbildung übertragen wurde, oder 0b er bei ihnen sich ent- 
wickelt hat, gerade so wie er bei den Romanen und in der lateinischen 
Dichtung des Christenthums wohl aus den alten Hebungsversen der 
Lateiner hervorging, die verdrängt durch den Einfluss griechischer 
Metrik sich im niederen Volk erhielten und in der neuen Gestaltung 
und Entwickelung mit dem Christenthum als Reimverse wieder hervor- 
brachen,  das lassen wir hier dahingestellt. Zu weit würde es auch
        

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