Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182700
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Die Dichtkunst. 
voll wieder einzusetzen. 
Wagner hat seinen Ring 
rirend gedichtet: 
S0 Jordan in 
der Nibelungen 
seinen Nibelungen. 
 durch 4 Stücke 
Richard 
 allite- 
XVoge du Welle, Walle zur Wiege, 
WVngalawaia!  
Kennst du mich gut kindischer Alp? 
Nun sag' wer bin ich, dass du so bellst? 
Im kalten Loch, da kauernd du lagst, 
WVcr gab dir Licht und wärmende Lohe, 
Wenn Loge nie dir gelacht? 
Das Bestreben, die Alliteration neu zu beleben, ist nicht einseitig 
zu verwerfen. Den Reim dagegen zu verwerfen und einzig Alliteration 
wieder einführen zu wollen, ist thöricht; schon weil wir bei vielenStamm- 
silben die ursprünglichen Anlaute verloren haben, ist die Alliteration 
nicht immer ein "natürliches" Band. Aber aus richtigem Gefühl greift 
man in so weit in der Epik auf sie zurück, als die Alliteration mit ihrer 
markigen Gedrangtheit einen Gegensatz gegen die {lache Breite und die 
leichte Weise bildet, zu welcher der Reim so leicht in der Erzählung 
verführt. Man sucht auch hier wieder einen mannlicheren, straiferen 
Stil und wie gewöhnlich wirft man sich in das Extrem, damit aus beiden 
Extremen die richtige Mitte, das schöne Maass gewonnen wird. Von 
beiden Endpunkten den Bogen schlagen, um eine Linie zu halbiren  
das gilt nicht bloss für die Geometrie.  
Der Stabreim bindet die Verse oder Halbverse durch den gleichen 
Anlaut. Der Reim bindet sie durch den Auslaut. Statt der durchein- 
anderschlingentlen Kettenglieder jetzt ein längeres Glied mit dem fol- 
genden vereint. Das lange Versglied darf nun aber nicht ordnungslos 
bis zum Ende sein; der Stabreim stüzte mitten im Vers; der Reim 
nicht; so muss eine andere Ordnung hinzutreten. Man nahm "eine frei 
metrische oder eine Verschmelzung von Metrum und Betonung. Für 
das Wesen des Reims stehe hier aus Goethe's Faust II. Act 3: 
Helenar 
Faust: 
Helena: 
Faust: 
Vielfache Wunder seh' ich, hör ich an; 
Erstaunen trifft mich, fragen möchf ich viel, 
Doch wünscht ich Unterricht, warum die Rede 
Des Manns mir seltsam klang, seltsam und freundlich: 
Ein Ton scheint sich dem andern zu bequemen, 
Und hat ein Wort zum Ohre sich gesellt, 
Ein andres kommt, dem ersten liebzukosen. 
Gefällt dir schon die Sprechart unserer Völker, 
O, so gewiss entzückt auch der Gesang, 
Befriedigt Ohr und Sinn im tiefsten Grunde. 
Doch ist am sichersten, wir üben's gleich; 
Die Wechselrede lockt es, ruffs hervor. 
So sage denn, wie sprcch ich auch so schön? 
Das ist gar leicht, es muss von Herzen gehn. 
Und wenn die Brust von Sehnsucht iibcrfliesst, 
Man sieht sich um und fragt 
        

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