Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178071
Gliederung. 
Ganzheit. 
Freiheit. 
Ilarnmnie. 
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im weitesten Sinne wird durch die Einheit in Bezug auf Ganzheit be- 
dingt. Eine solche Freiheit von Störung darf nicht verwechselt werden 
mit den höheren Begriffen der Freiheit, wie wir sie als Gegensatz zum 
Zwang betrachten. Es mag z. B. ein Ding in dieser Beziehung nach 
dem strengsten Zwang sich entwickeln müssen, etwa die strengste- 
Krystallform zur Erscheinung haben, dennoch ist es frei in seiner Er- 
scheinung, wenn es innerhalb deren Nothwendigkeit frei blieb von 
äusserer Störung. Freiheit in diesem Sinne bedeutet also, dass ein 
Ding sich nach seiner innersten, eigensten Wesenheit zu entwickeln 
vermag und keine störende, schädigende Einwirkung erleidet. Durch 
eine solche Freiheit ist natürlich die Entwicklung der reinen Anlage 
(Idee) zum schönsten Ausdruck, zur schönen Form gestattet; wo sie 
gefehlt hat, ist Verkümmcrung oder sonstige Trübung. Bei Erschei- 
nungen höherer Art machen wir die höheren Freiheitsanforderungen 
des menschlichen Wesens geltend, das den absoluten Zwang hasst, 
wie dessen Gegensatz, die absolute Willkür, und nur durch das von 
beidem gleichweit entfernt liegende, durch die Ordnung der Freiheit 
befriedigt wird und (larin vernunftgemässe Beruhigung findet. Danach 
ist Schönheit überhaupt Freiheit in der Erscheinung zu nennen. In 
dieser Beziehung sehen wir in der Erscheinungswelt die abstracte, zu 
Grunde liegende Form als Zwang; für die Freiheit sorgt das Leben. 
Wo die Gesctzinässigkeit durch ein Uebermaass der zum Ungesetz- 
liehen, zur Willkür ausartendcn Freiheit durchbrochen wird, tritt das 
Hässliche auf, das an sich stets missfällig ist, aber, wie man sieht, 
zuweilen sogar wohlgefällig wirken kann, wenn es eine Einförmig- 
keit aufhebt, welche als Ueberniaass unerfreulich wirkt. Doch werden 
wir beim Oharakteristischen und Ilässlichen hierauf noch näher einzu- 
gehen haben. 
Wenn sich Thcile mit anderen Theilen wohlgefällig zusammen- 
fügen, so nennen wir diese Vereinigung harmonisch. Ein Ding ist in 
seiner Erscheinung harmonisch, wenn es erstens seinem Wesen durch 
die Erscheinung entspricht, dann wenn alle seine einzelnen Bestand- 
thcile sich wohlgefällig zum Ganzen verbinden, _wenn die Vielheit wohl- 
gefügt zur Einheit ist. Nach der letzten Anforderung allein, kann 
man, da jedes Schöne zusammengesetzt istund aus einer Einheit und 
ltlehrheit besteht, den Satz aussprechen: das Schöne ist das Harmo- 
nische. Diese Art der Irlarmonie haben wir nun noch näher in Betracht 
zu ziehen.
        

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