Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182591
Formung. 
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sehr verschiedene Ordnungen zur Geltung kommen. Wo mehrere Ord- 
nungen neben einander angewendet werden, wie in der deutschen, da 
wird es nicht Wunder nehmen, wenn über die Berechtigung der einen 
oder andern erbitterter Streit herrscht. Wir wollen die gewöhnlichsten 
hier in Kürze betrachten.  
Die Sprache wird gebildet aus Tönen, die nach einander, und zwar 
in Silben an einander geschlossen, in der Zeit erschallen. Gleich- 
mässiges Ersehallen dieser Töne wäre langweilig, ermüdend. Durch 
Betonung von Silben, Heben und Senken der Stimme, Pausen, durch 
Dehnung und Kürzung der Töne, resp. der Silben kommt Wechsel, 
Mannigfaltigkeit hinein. So wird man die gewichtigsten Worte und 
darin die gewiehtigsten Silben betonen; zusammengesetzte Vocale wer- 
den an sich schon Dehnungen verursachen, ebenso auch eine An- 
häufung von Consonanten, die zu bewältigen die Stimme gleichsam 
Zeit haben muss. 
Wir finden nun bei einigen Völkern das Princip der Betonung, der 
Hebung der Hauptsilben zum bestimmenden gemacht; so bei den Deut- 
schen. Die Griechen haben das Maass der Längen und Kürzen erwählt. 
Ihre klingenden, vocalschweren Endungen, z. B. der Declination, haben 
sie vielleicht dazu bewogen; die Stammsilben wären durch jene doch 
zu sehr gedrückt worden, wenn man mit ihrer Betonung durch Hebung 
allein hatte operiren wollen. Sie maassen daher die Worte und erhiel- 
ten sich dadurch vielleicht die volltönenden Endungen, während die 
Deutschen, hauptsächlich auf die Stammsilben aehtend, die Endungen 
vernachlässigten, ihre Töne abschwächten, verschluckten oder wegwar- 
fen. Länge und Kürze der Silben machten die Griechen maassgebend. 
Es ist hier nicht der Ort, ihre so schwierige Metrik näher zu behan- 
deln. Sagen wir einfach, dass dieses Maass einer Länge durchschnitt- 
lich angenommen wird als gleiehwiegend mit zwei Kürzen. Erst in 
der Zweiheit kann sich eine Bildung gestalten. Einfachste Ordnungen 
wären v v oder  Nach dem früher Gesagten muss aber zum we- 
nigsten die Betonung Leben in dieses Maass bringen; also Q, v,  
Leicht sieht man den Wechsel in -v und v-. Ein solches Maass 
nennt man Fuss. Er bezeichnet das Verhältniss der Silben in Rück- 
sicht des IMaassesl Eine Aufeinanderfolge von Zeitabtheilungen nach 
einem bestimmten Gesetz giebt, wie wir schon in der Musik sahen, 
den Rhythmus. Eine oder mehrere Reihen von bestimmtem Rhythmus 
nennen wir einen Vers. Ein Vers ist also eine in sich geordnete Reihe; 
nach ihm beginnt eine neue. In solche Ordnungen wird die Sprache 
gefügt. 
Nennen wir einige der hauptsächlichsten Versfüsse: Trochaus LV, 
Jambus v; Spondells L_, Dßßllyllls Lvv, Anapäst VVL; Amphi- 
brach VLV, Bacchius ULM Päon m, e, V u. s. w. Man wird leicht 
gewahren, welchen Eindruck die stete Wiederkehr dieser Füsse maghgy]
        

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