Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182589
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Dichtkunst. 
Die 
Von dar konnf er den Zug, dann dar, dann dar hinwenden, 
Dann dar, dann dar, dann dar, dann ander und ander Enden. 
Man höret im Tumult bald hier, bald dar, bnld dort, 
Eins mahnt das andre an, nur fort, nur Qfort immer fort. 
Bald brummt rundumb umbher der Rump der plumpen Drnmmeln, 
Bald sieht man Einen hier, den Andern dort sich tummeln. 
Dort trampeln die stampenden Klapper, hier klappen die Tappen der 
Die kalten Püaster selbst erhitzen durch den Lauf 
Und locken im Kloeken viel Schocke voll trockener Flocken herauf. 
Rappen. 
Wir haben bisher in der Dichtung noch von keiner künstlichen 
Ordnung des sprachlichen Materials gesprochen. Alles Besprochene gilt 
von dichterischer Rede überhaupt, Prosa oder Poesie. Volle dichterische 
Bildung tritt erst ein mit jener künstlichen Ordnung, wie wir gleich 
näher zu betrachten haben. Zuvor noch ein Hinweis auf die Neben- 
gebiete und deren sogenannte Kunst. 
Die allgemeinen Regeln für die Sprache behandelt die Stilistik. 
Wie die Prosa nach den Gmndforderiingen für jede wohlgefällige Er- 
scheinung zu behandeln ist, wie deren allgemeine Ordnungen eingehalten 
werden, ist Gegenstand der Rhetorik als Redekunst imAllgemeinen. 
Die Rhetorik verlangt also, dass die Erscheinung der ldee entspricht, 
und somit, wo ein Zweek vorliegt, die Ausführung dem Zweck ent- 
sprechend ist, dass die Rede bedeutend sei. Sie verlangt Einheit in der 
Mannigfaltigkeit, Harmonie der Theile, Reinheit des Stils (Präcision, 
Deutlichkeit, Richtigkeit u. s.  Geschlossenheit (Anfang, Mitte und 
Ende) u. s. w. Dies gilt für wissenschaftliche Behandlung, die Dialectik, 
welche das Wahre sucht, wie für die eigentliche Rhetorik, welche Ueber- 
redung, also besonders auf den Willen einzuwirken und Andere zu einem 
Thun zu veranlassen, zum Ziel hat. 
Wo die äussereiForm des sprachlichen Ausdrucks in der Dichtung 
nicht zur Kunstordnuiig gefügt ist, haben wir Dichtung in Prosa. 
In dieser sind die dichterischen Anforderungen hinsichtlich des Inhalts, 
der Vorstellungen, der Anschaulichkeit, Lebendigkeit u. s. w. erfüllt, 
auch die allgemeinen Anforderungen der Kunst eingehalten. Man nehme 
ein Drama in Prosa. Einheit, Gliederung, Mannigfaltigkeit, Harmonie 
u. s. w.; dazu alle oben besprochenen Forderungen sind erfüllt; nur die 
Ordnung des sprachlichen Ausdrucks durch Bindung des Verses fehlt. 
Dasselbe im Roman. Der Gegensatz dazu ist Prosa in Versen, wo 
nur das ganz äussere Maass einer Versbildung der undichterischen Prosa 
aufgezwungen ist. Eine solche falltnatürlich ganz aus derDichtung heraus. 
In der vollen Dichtung hat auch der sprachliche Ausdruck seine 
Kunstordilung erhalten. Das Ganze ist nach allen seinen Theilen künst- 
lerisch durchweiht, von der Vorstellung an bis zur letzten Klang- 
erscheinung der Worte.  
Betrachten wir jetzt die Ordnung und Formung des Materials, der 
SPTaChe, wie sie die Dichtung gebraucht. Es können in einer Sprache
        

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