Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182562
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Die Dichtkunst. 
vorwiegende e, namentlich das stummere, macht sie klang- und charac- 
terlos; durch 0 wird sie voll, pompös, doch etwas dumpf; durch a klar, 
kraftvoll; gewichtiger je nach der Länge und Kürze des a; das i ähnelt 
dem Gelb; bald ist es hell, licht; hart oder länger ausgesprochen macht 
es den Ton wohl schneidend, ziehend. Der schöne Wechsel der Vocale 
wird natürlich auch hier zu einem harmonischen Eindrucke verlangt; 
doch hat sich im Allgemeinen der Dichter vor den stummen e's soviel 
wie möglich zu hüten. Wie die Vocale wirken, kann jedes schöntöncnde 
Gedicht zeigen. S0 z. B. achte man in Götheis Fischer darauf, wie gleich 
zu Anfang ein gleichmässiges, schönes Wiegen, an Wellen erinnernd, 
darin waltet: 
Das Wasser rauscht, das WVasser schwoll 
a. a. e au a a e o. 
Man achte in Götluäs Mignon auf die dunklen Voeale des Anfangs u, 0. 
au, woran dann, wie an die dumpfere Stimmung plötzlich das Llnbefrie- 
digte, sehnsüchtig ziehende, wehe i setzt: 
"Kennst Du es wohl? 
Dahin! Dahin 
Mücht ich mit Dir, 0 mein Geliebter 
ziehn. 
Schon dieser Vocal zieht hier hinaus, wie er so lang dahindehnt. Dass 
man durch die blossen Vocale den Vers aufsteigen oder absinken lassen 
kann, ist danach zu sehn. Mit den Consonanten ist es nicht anders. 
Schon ihr Ton giebt leicht eine Stimmung  i 
Jedem Worte klingt 
Der Ursprung nach, wo es sich herbedingt; 
Grau, grämlich, griesgram, gräulich, Gräber, grimmig, 
Etymologisch gleicherweise stimmig, 
Vcrstimmen uns. 
(Göthe, Faust. 
fl ist z. B. ein Hauehen, Wehen, eine nicht harte Bewegung. Man ver- 
gleiche "üiessen" mit anderen Bewegungen des Wassers. Fliessen ist 
ein stärkeres Dahingleiten; die Oberdäche des Wassers, ist dabei noch 
unbewegt. Aber r giebt eine stärkere Bewegung, wie dieses schon in der 
Bildung des Buchstabens sich zeigt in seinem r-r-r. Setze ich nun noch 
scharfe Oonsonantcn vor das r, z. B. st und sp, so bekomme ich stets 
gewaltsame, heftige Bewegungen; wie schon beim Aussprechen dieser 
spr und str geschieht, wird auch in den damit gebildeten Wörtern eine 
Schwierigkeit gewaltsam überwunden. Man vergleiche lliessen mit dem 
kurz bewegten: rinnen, das sich durch das s verschärft und unruhiger, 
stossender wird in: rieseln. Strömen ist durch str heftig, mächtig; ge- 
waltsam ebenso in strudeln, sprudeln. Aehnlieh, wenn auch weniger 
deutlich, mit den andern Consonanten. S0 soll z. B. t (d, th, s) im All-
        

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