Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182520
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Die Dichtkunst. 
scheinen wie ein Schnörkel. Die Rose die Königin der 
nennen, giebt eine Anschauung der Herrlichkeit der Rose. 
aber Lohenstein beginnt: 
Blumen zu 
S0 wie nun 
Dies ist die Königin der Blumen, uiid Gewächse, 
Des Himmels Braut, ein Schatz der Welt, der Sternen Kind 
und nun in Einzelvergleichen das Ganze so fortgeht, so befinden wir 
uns in der traurigen Drehmühle des suchenden Verstandes. 
Falsche Bilder sind an sich verwerflich. Fremde, dem Hörer un- 
verständliche Bilder sind ebenfalls fehlerhaft. Homer bringt herrliche 
Gleichnisse vom Löwen. Damals kannte der kleinasiatische Grieche 
den Löwen aus Erfahrung, die Schrecken des Zusammentrelilens, die 
Gefahr, wenn er sich wendet, die funkelnden Blicke auf sein Opfer 
richtet und anstürzt; gewahren die Heerden den Löwen, so drangen sie 
sich ängstlich brüllend zusammen; herein bricht der Grimme und in 
blinder rasender Furcht stieben sie auseinander. Mit dem Löwen also 
vergleicht Homer seinen Helden, mit den Jägern oder den Heerden 
dessen Gegner. Wir können nun einen kühnen Mann ganz passend 
einen Löwen nennen und ihn allgemein damit vergleichen; Jedem ist 
der nach Form, Oharacter, Kraft u. s. w. bekannt. Sobald man aber 
etwa für einen Oflizier moderner Zeit das Gleichniss homerisch zu einem 
Jagdgleichniss ausdehnen wollte: S0 wie der Löwe, wenn er die Jäger 
sieht, die Brauen über die Augen zieht und mit dem Schweife die Flan- 
ken peitscht; an stürzt er dann u. s. w., also stand der Offizier und 
stürzte dann auf die Feinde, so wäre lächerlich Unpassendes heraus- 
gekommen; würde der Offizier auch noch etwa mit Schiesswalfen dar- 
gestellt, so wäre der Vergleich noch abgeschmackter und fehlerhaft. 
Weisen wir hier auf Homers richtige Wahl der Bilder hin. Er will 
etwas Unwiderstehliches schildern. Der Löwe ist zn bewältigen; Jäger 
und Hunde fallen ihn; er verblutet unter sicheren Lanzenwürfen. Nun 
singt Homer: ' 
YVo am dichtesten drängten die Haufen, 
Stürzt er hinein begleitet vom hellumschienten Achaiern  .  
Wie wenn verheerendes Feuer in nie gehauene NValdung 
Fällt, dann Wirbelnd der Sturm es umherträgt und bis zur YVurzel 
Stamm und Gezweig hinsinken, gerafft; von des Feuerorkuns WVuth, 
Also vor Atreus Sohn Agamemnon sanken die Häupter 
Fliehender Troier in Staub    ' 
Gegen den Waldbrand im Sturm ist der Mensch machtlos. Nur der 
Himmel mit unendlichen Regenfluthen, Aufhören des Windes u. s. W. 
kann retten. Jetzt wissen die Hörer, wie unwiderstehlich der Angriff 
zu denken ist. 
SO 
Was die Häufung mehrerer Bilder, Gleichnisse u. s. w. betritft, 
ist dabei wohl Acht zu geben, dass ein Bild das andere nicht ver-
        

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