Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182511
Bilder ; 
Gleichnisse 
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sein Stuhl, die Erde seiner Füsse Schemel" u. s. w. Diese Umsetzungen 
des unsiunlichen Begriffs, der unsinnlicheu Lehre geschehen in ver- 
schiedentlicher Weise. -Z. B. für eine Lehre wird ein einzelner sinn- 
licher Fall erzählt: Wer Pech anfasst, besudelt sich. Es ist das Gebiet 
des Spriehworts, der Gnomen u. s. w. Oder ein Gedanke wird veran- 
schaulicht durch eine Allegorie, eine Lehre durch eine Fabel oder ein 
Gleichniss oder durch das zur Parabel gesteigerte, aus dem menschlichen 
Thun hergenommene Gleichniss. 
In all' den Fallen der Belebung, Vergleichung, der Bilde1', Meta- 
phern u. s. w. "wird natürlich ein Uebermaass, wie jedes Uebermaass 
Störend, ungehörig, verweiflieh. Verdeutlichung, Lebendigmachen war 
der Zweck, die Idee; sobald dies nicht geschieht oder gar das Gegen- 
theil eintritt, ist der Idee widersprochen. Undeutliche Bilder sind an 
sich ausgeschlossen, aber auch gute Bilder dürfen nicht die Hauptsache 
überwuchern. Die orientalische Poesie, auch die nordische fehlen hie- 
gegen hautig;_ in der nordischen muss man überdies zuweilen eine förm- 
liche Untersuchung und Uebersetzuug anstellen, um das Bild aufzulösen 
und zu wissen, „wenn der Lebensräuber nach der Krieger Brust fahrt", 
"wenn auf des Meeres Rossen durch das Reich der Möven kein kühnerer 
hlann fährt um Lanzeninesse zu halten", dass der Lebensränber die 
Lanze sein soll, dass die Lanzeumesse die Schlacht ist u. s. w. Maass 
halten gilt auch für die Bilder. Eine sehr lebendige Phantasie wird 
versucht sein, dass Maass zu überschreiten und in glänzenden Bildern 
zu schwelgen; so häufig ein Aeschylus, ein Shakespeare, bei denen 
dann ein Bild das andere drängt. Aber ein grosser Dichter, wenn er 
der Phantasie die Zügel sehiessen lasst, trifft doch immer richtig und 
gewaltig; mächtigen Zuges reisst er uns meistens weiter. (Doch lese man 
Z. B. Troilus und Oressida, III, 3, Ulysses Rede: die Zeit hat einen 
Ranzen auf dem Rücken, Almosen sammelnd u. s. w. wo das Allegori- 
siren und die Häufung die Rede bis zum Frostigen einwickelt; Hamlets 
Citat: "der rauhe Pyrrhus, dessen dunkle Rüstung schwarz wie sein 
Vorsatz war", ist barock. Ueberhaupt streift der grosse Shakespeare, 
darin Kind seiner Zeit, manchmal an's Barocke in seinen Gleichnissen; 
Aeschylos giebt wohl Ueberfülle und ist zuweilen orientalisch gewalt- 
Sam; Pindar ist nicht selten überschwänglich, Dante wohl herbe, seltsam; 
Sophokles, Göthe sind maassvoll). Nichts Langweiligeres dagegen, als 
wenn dichterische Schwache versucht, in Häufung von mühsam erdachten 
Bildern Reichthnm der Phantasie zu zeigen. 
Das falsche Bilderwesen derPoesie möge man etwa an den Dichtern 
der zweiten schlesischen Schule studiren. Nicht genug dass hier eine 
Znsammenwürfelung von Bildern Mode war, so kommt, wie so leicht bei 
einem übermassigen Gebrauch derselben hinzu, dass darin eben die 
Poesie gesucht wird und nun das ganze Gedicht sich wohl um diese 
Bilder auf einem Flecke her-umdreht. Alles, die tausend Schnörkel, er- 
Lcnicke, Aesthetik. 2. Aull. 29
        

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