Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182504
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Die Dichtkunst. 
schöner Weise dix-{Vorstcllungen zu beleben suchen. Er wird nicht bloss 
durch ein bezeichnendes Beiwort den Eindruck verstärken, sondern 
etwa aus dem ruhigeren Gesammtbegriii" den lebendigsten der dazu 
gehörenden Eiiizelbegrilfe herausgreifen und unterschiebeii, wird das 
Todte als von Leben beseelt darstellen u. s. w. Will er einc Vorstellung 
besonders eindringlich machen, so wird er die packendsten, grössten 
oder schönsten, reizendsten Vorstellungen des Hörers, sofern eine Aelm- 
lichkeit sie zu gebrauchen erlaubt, herbeiziehen und mit diesen als 
Gleichniss oder als Bild auf ihn wirken. Dies die Anwendung und Be- 
dentung der Gleichnisse und Bilder in der Dichtung, all' ihrer sogenann- 
ten Tropen, der Metaphern, der Metonymien (Namensveiwveclislungen, 
z. B. Feder für Schrift), der Personificationen n. s. w. S0 wird z. B. 
das Schiff gleich in der 'l"häitigkeit „ das Meer durchschncidende" genannt. 
Oharacteristische Thatigkcit zeigt das Segeln: statt Schiff heisst es also 
wohl in Metonymie das „Segel". Das Schiff eilt daher, es trägt den 
Menschen wie ein Ross. Dies ist eine Vergleichung. Die llletapher setzt 
gleich die Vergleichung selbst statt des Vergliehenen. Es heisst dann 
nicht: das Schiff des Vikingers stürmte wie ein Meerross heran, sondern: 
das Meerross des Vikingcrs stürmte heran; nicht der Held sprang 
hervor wie ein Löwe, sondern: der Löwe sprang hervor; Hungern, 
wie ein Wolf, schamlos wie eine Hündin  diese Vergleichungen wer- 
den umgesetzt und die Abstractionen; Hunger, Schamlosigkeit werden 
belebt: Hunger, der Wolf, Schamlosigkeit, die Hündin u. s. w. In solcher 
Personification wird dann die Vergleichung übertragen: die Sonne 
lächelt; der See ladet zum Bade; das Auge ist die Sonne u. s. w. 
Alle die Belebnngen sind hier anzureihen, durch welehe das Leb- 
lose belebt dargestellt wird: es "flog das herbe Geschoss ab  statt: es 
ward geworfen; die Lanze wird: "hineinzuüiegen verlangend, voll 
Gier im F'leische zu schwelgen"; „des Speercs Wuth bricht Schilde im 
Helmgemenge" oder (gleichfalls nordisch) „der Wundenbohrer führt 
dunkel und blutroth auf die Wehr, das Schwert "eilt" zu Wunden etc. 
Unsinnlichere Gedanken werden in's Sinnlichere umgesetzt; z. B. in: 
der Mensch kann unmöglicher Weise Gott entgehn, ist "entgehn" ein 
sinnlicher Ausdruck, ein Bild vom Gehen und Einholen genommen; 
"unmöglicher Weise" ist ein unsinnlicher Begriff. Diesen arbeitet der 
Dichter in's Sinnliche hinüber, er führt uns vor, was der Mensch als 
das Aeusserste versuchen könnte oder was er auch nur denken könnte, 
um zu entgehen; statt des vunmöglich" giebt er eine Reihe von Be- 
mühungen, die doch, wenn sie auch möglich waren, nichts helfen 
würden. Der Psalmist sagt also: "Führe ich gen Himmel, so bist Du 
da. Bettete ich mir in die Hölle, siehe, so bist Du auch da. Nähmc 
ich Flügel der Morgenröthe und bliebe am äussersten Meer, so wurde 
mich doch Deine Hand daselbst führen und Deine Rechte mich halten. " 
Gott ist sehr mächtig und gross, wird versinnbildlicht: nderllimmel ist
        

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