Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182451
Allgemeines. 
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tet werden. Was unsagbar ist, wird danach einfach aus unserem Be- 
reich herausfallen. 
Durch die Sprache, welche für bestimmte Vorstellungen und Be- 
griffe bestimmte Zeichen festgesetzt hat, werden bei dem Vernehmen 
ihrer Zeichen (Worte) die denselben entsprechenden Begriffe im Hörer 
wachgerufen. Die Sprache giebt die Vermittlung zwischen Sprecher und 
Hörer. Nur das Bestimmte kann bestimmten Ausdruck finden; nur be- 
stimmter Ausdruck kann Bestimmtes übertragen und also Bestimmtes im 
Geiste des Hörers erwecken. 
Die geistige Thatigkeit, welche die Sprache ausdrückt, ist die all- 
gemein umfassende. Sie richtet sich auf die Empfindung, auf den Ver- 
stand und auf den Willen. Im gewöhnlichen Leben mischen sich diese 
Kräfte durcheinander; die Thatigkeit ist eine gemischte und findet diese 
gemischte Thatigkeit auch ihren Ausdruck in der Sprache, die bald die 
Empfindung, bald den Verstand, bald den Willen in Anspruch nimmt. 
So in der gewöhnlichen Prosa. 
Das Schöne hat es mit der Empfindung, mit der Phantasie zu thun. 
Was also nur auf den Verstand oder auf den Willen oder nur auf Ver- 
stand nnd Willen Wirkt, fallt aus dem Bereich der Kunst, soweit diese 
die Sprache als Mittel gebraucht. 
Danach ist alles reine Denken des Verstandes und sind alle Nöthi- 
gungen des Willens aus der Dichtung, welche das Schöne des Gedan- 
kenreiches zum Gegenstande hat, ausgeschlossen oder doch nur erlaubt. 
Eigentlichen Inhalt der Dichtung können sie nicht geben. Die Sprache, 
die nur das verstandesgemässe Denken ausdrückt, welches nur das 
Wahre zum Ziel hat, nennen wir die wissenschaftliche; überredend ist 
die auf den Willen zielende, der ethische Rüeksichten die maassgeben- 
den sind; die Sprache, welche Ausdruck des Schönen der Gedanken ist 
und also nicht den Verstand, nicht den Willen, sondern die Einbildungs- 
kraft in Thätigkeit versetzt, nennen wir die dichterische, poetische. Auf 
die Einbildungskraft wirken nur Vorstellungen, Anschauungen. Auf 
diese sind wir _in der Dichtung angewiesen, während die Wissenschaft 
sich ihrer so viel wie möglich zu entäussern und zu reinen, allge- 
meinen, unsinnlichen Begriffsbestimmungen zu gelangen sucht und alle 
Ethik nicht auf ein Anschauen im Geiste, sondern auf ein Bestimmen 
des Geistes zur Richtung des Willens, auf ein Müssen und Sollen zielt. 
Auch dort, wo nicht eine vollständige Mischung der drei Thätig- 
kciten eintritt, wie in der gewöhnlichen Rede, sondern eine einzelne das 
Hauptaugenmerk bildet, kann diese natürlicher Weise die beiden an- 
deren heranziehen, und Missverständniss wird eine solche Mischung 
wohl noch für etwas Höheres halten. Die wissenschaftliche Sprache 
kann die poetische und die überredende, die überredende kann die pge- 
tische und wissenschaftliche, die poetische kann die wissenschaftliche 
und überredende zu Hülfe nehmen. Erinnern wir uns aber, dass für
        

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