Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182388
436 
Tonkm 
Die 
sein soll, muss also zwar aus einer einheitlichen Idee herausgearbeitet 
sein, im Innern aber im Grossen wie im Kleinen eine losere Zusammen- 
fügung haben, damit das musikalische Element zur vollen Entfaltung 
kommen kann. 
Vor dem Schauspiel mit Gesang und Musik könnten wir das Schall- 
spiel anführen, zu dem Musik allein hinzutritt. Eine gehobene, innige, 
tiefempfuildene Rede kann von Musik getragen werden. So z. B. ver- 
langt es Göthe in der Schlummerscene des Egmont. Die Musik wird 
hier meistens in ihrer Innerlichkeit nur für einzelne Scenen passen. 
Oder in einem Drama bricht die gesteigerte Rode in Gesang aus, zu 
welchem dann Instrumentalmusik hinzutreten kann. Haben wir eine ge- 
wöhnliche Conversationsrede und Handlung, so kann die Kluft zwischen 
Prosarede und Gesang nur vom Komischen übersprungen werden; ein 
Rein-Schönes kann bei einem solchen Melodrama nie entstehen. Anders 
aber, wo durch die Kunst in der Poesie dem Musiker vor-gearbeitet ist. 
Gehobene, namentlich rhythmisch geordnete Sprache, ideale Gluth des 
Ganzen, kann den Gesang nicht bloss annehmlich, sondern nothwendig 
erscheinen lassen. In dieser Art ist das griechische Drama behandelt. 
Ein Gleiches z. B.  von der Braut von Messina ganz abgesehen  
bei Schiller in der Maria Stuart. Man lese den 3. Aufzug, 1. Auftritt. 
Hier ist die leidenschaftliche, überströmende Emptindung der Art ge- 
steigert, dass sie durch die Worte 
,.Lass mich der neuen Freiheit geniessen 
Lass mich ein Kind sein  sei es mit  
Wfr 
zum Gesang emporstrebend, durch die Worte der Kennedy wieder auf 
kurze Zeit zur Ruhe und gedankenhafteren Erkenntniss in die gewöhn- 
liche Versrede gedrückt, dann so wieder anschwillt, dass sie eigentlich 
in Gesang ausbrechen muss, wozu dann auch die Hifthörner, erst ferner, 
dann näher, erklingen. Mit den Worten: 
Die Blicke frei und fessellos 
Ergeben sich in ungemesänen Räumen 
steigt die Empündung an. Nun Sehnsucht, nnhemmbares 
Es wachsen den Worten allmälig die Flügel" zum Gesange: 
Verlangen. 
Dort, wo die grauen Nebelberge ragen, 
Fängt meines Reiches Gränze an , 
Und diese Wolken, die nach Mittag jagen, 
Sie suchen Frankreichs fernen Ocean. 
Die Worte: „Eilende Wolken, Segler der Lüfte" sind Gesang, wie oben 
bei Aeschylus die Danaiden singen. In dem letzten Vers „lhr seid nicht 
dieser Königin unterthan" fällt der Gesang wieder matt, ausruhend in 
die Rede zurück. 
Die Verse: 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.