Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182368
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Die Tonkunst. 
Nein, Huchtlos bliebe hier nicht meine Furcht!  
Und dunkelwogend pocht das Herz in meiner Brust! 
Des Vaters Wort, es traf mich, ich vergelf vor Angst! 
S0 werr1' der Tod eh' mein Theil, 
Hoch aufgeknüpft im bitfren Seil, 
Elf diesen Busen 
Rührt des Gottveriiuchten Hand, 
Eh' will ich todt, will ich des Todes Raub sein. 
Wo iimP ich einen Ort nur, hoch in lufüger Hülf, 
Um den die nebelfcuehte Wolke wird zu. Schnee, 
Ein stilles, jähes, gemseneinsames, zibgrundschwinilelndes 
Adlernistendes Felsgelxäng, 
Tiefen Sturzes Zeuge mir, 
Elf dieser Brautnacht (lunkelem Fluch mein brechend Herz 
anheimfällt? 
Marx ist durchaus "gegen die musikalische Behandlung eines solchen Ge- 
dichtes. Ich aber meine, wie Architeetur und Plastik sich vereinen, so 
hier die gefügte Rede und der Gesang. Nach der Rede des Danaos be- 
ginnen die Danaiden „Du holmreich Land". In tiefer Angst schwillt 
ihre Rede reeitativisch an, bis sie in:  
schwarzer 
„ Ein 
ich fliehn" 
Rauch möchf 
vollständig aus der Bewegung der Sprache und des Rhythmus in Gesang 
hinübergeschwollen ist. Ist das nicht Sehnsucht, nur düsterer, ver- 
zweifelnder, wie wir sie in s, Eilende Wolken, Segler de1' Lüfte", haben? 
Und nun setzt die Rede wieder unruhig ein: "Nein, fluchtlos u. Aber 
mit dem: "Des Vaters Wort, es traf mich" rauscht Angst und Todes- 
Verzweiflung wieder auf  „Eh' diesen Busen rührt des Gottverfluchten 
Hand" giebt es denn eine mehr dramatische Bravourstelle? Und nun un- 
ruhig, verzwcifelnd setzen die Worte wieder ein: „Wo find' ich einen 
Ort nur?" 
Eine derartige musikalische Behandlung ist für uns sehr schwierig, 
weil uns der grosse, getragene Stil des hellenischen Schauspiels fehlt. 
Dann ist auch der eigentliche dramatische Gesang zu sehr abhanden 
gekommen; der Klang im Allgemeinen ist vorwiegend über die Ton- 
steigerung der Leidenschaft gewesen. Dass auch der singende Schau- 
spieler dafür keinen eigentlichen Stil herausbildcn konnte, ist natürlich. 
Betrachten wir einige Arten des Gesangspiels. Zuvor aber noch 
einige Bemerkungen über den Text. Wir sahen den Gesang aus einer 
gleichsam überiiiessentlen Steigerung der Rede hervorgehen, die durch 
das tiefe Gefühl zum Gesang anschwillt. Andererseits fanden wir in den 
Tönen an sich den Ausdruck der allgemeinen Empfindungen. Zwischen 
diesen Extremen dramatischer, an das Wort gebundener Leidenschaft 
und dem allgemein musikalischen Gefühlsausdrucla bewegt sich nun der 
Musiker. Der für dramatischen Gesang Begabte wird sich soviel wie 
möglich der Allgemeinheit entziehen und in den leidenschaftlichen Ton-
        

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