Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182353
von Instrumental- 
Verbindung 
Vocalmusik. 
und 
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Formenphantasie und Kenntniss, gleichsam spielende Anwendung der 
schwierigsten Regeln u. s. w. lassen sich hier zeigen und bringen Werke 
Zu Stande, welche wir schon mit den mathematischen Construetionen 
der Architectur des gothischen Stils verglichen haben. Immer wird 
aber das eigentliche innere Leben einer solchen Formmusik fehlen. 
Sie ist an sich mehr eine Vorübung' für die lebendige, in Melodien sich 
bewegende Musik, wobei wir Melodie freilich weiter zu fassen haben, 
als dies gewöhnlich geschieht, wo eine sangbare Weise darunter ver- 
standen wird. 
Instrnmentalmnsik und Vocalmnsik mit einander verbunden, wird, 
wie gesagt, als drittes Gebiet gefasst. Wir wollen hier nur die Form 
noch kurz in's Auge fassen, die als Oper bekannt ist. Im Unterschiede 
vom Oratorium, wo einzelne Stimmen die Träger des dramatischen Ge- 
sanges sind, wo aber keine weitere Action als nur durch den Gesang 
stattfindet, wird bei der Oper von handelnden Personen gesungen. 
Instrumentalmusik begleitet, stützt, ergänzt oder wie sie nun angewandt 
werden mag, diesen Gesang sowohl, wie die ganze Handlung. 
Ein solches Schauspiel kann durchaus im Gesang durchgeführt 
werden, oder es kann sich zum Thcil in der gewöhnlichen Rede be- 
Wegen und nur stellenweise in Gesang übergehen, wie im Melodrama. 
Aus einem solchen, der Nachbildung des griechischen Dramas, hat sich 
die Oper entwickelt. Die letzte Art ist in der Form nicht so einheit- 
lich; Rede und Gesang athmen durchgehends eine verschiedene Luft. 
Doch soll hier kurz auf den Unterschied aufmerksam gemacht werden, 
der wohl zwischen einem griechischen und einem heutigen Melodrama 
stattfand. Wenn des Aeschylus hochtönende mächtige Verse, als ein 
Kunstwerk behandelt, auf der Bühne die Träger eines mächtigen Pathos 
Waren, dann war das allerdings etwas Anderes, als wenn bei uns aus 
der Prosa oder aus Versen, die kaum Jemand für Verse erkennen kann, 
sondern die bald wie Prosa, bald wie Worte in steifen Zwangsformcn 
klingen, plötzlich ein Gesang herausbricht. Prosa in Sprache, Stimme 
und Haltung des Schauspielers, plötzlich Attitüde, Hand auf's Herz u. 
S. w., Blick nach oben und nun Gesang, damit ist es nicht gethan. Aber 
Wenn das ansteigt, wenn die Gemüthsbewegnng so überschwillt wie etwa 
im Aeschylns, dann ist der Uebergang durchaus vermittelt. Im Gegen- 
satz zu dem tretllichen Mar-x will ich hier aus seinem Werk den Chor 
der Schutzllehendemdes Aescliylns (nach Droysen) anführen: 
Du holmreich Land! Du theures Heiligthum! 
WVas wcrd' ich dulden, ach in Apia wohin 
Entlliehn, wo dunkle Stätte finden, auszuruh'n? 
Ein schwarzer Rauch müchf ich fiiehn, 
Zens' Wolken nach von hinrlßn Zichn, 
Lautlos verschwinden, 
Möcht" ein leiser, leichter Staub 
Emporgeiveht Hügellos verfliegen! 
Lemcke, Auslholik. 2. Aull. 
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