Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182274
Vocalmusik. 
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Stimme des Mannes. Weiter ist hinzuweisen auf den Unterschied der 
Brust- und der Kopfstimme (Falset, Fistel). Bei jener ist der Ton voll, 
frei; sie ist die natürliche, in welcher sich die gewöhnliche Sprache bc- 
wegt und welcher auch das gesungene YVort hauptsächlich zufällt; die 
Kopfstimme wird durch Xiercngerung der Stimmritze erzwungen; bei ihr 
ist die Kehle mehr zu einem blossen Instrument gemacht, wodurch auch 
die Töne, welche ohne Wortstütze gebraucht werden, ihr besonders zu- 
fallen; so z. B. beim Jodeln, wo sie instrumentartig wirkt. Die Cha- 
racterunterschiede der Stimmen sind bekannt. Der Sopran ist Ausdruck 
der Weiblichkeit, mit all' den Vortheilen und Schwächen des Weibes  
rein, klar sanft, scharf, leidenschaftlich kurz alle Gegensätze desselben 
ebenfalls zeigend. Tiefer, milder, gehaltener ist der Alt. Die Kinder- 
stimmen zeichnen sich aus durch Reinheit und Unschuld; die Naivetät, 
das Inbrünstige und doch so Beschränkte macht sie oft zu unübertreü- 
liehen Instrumenten. Tenor ist wie jugendliche, feurige Manneskraft; 
Bass ist gesetzter, rauher, dröhnender. Dazwischen der Baryton, wie 
ZWiSCDCII Sopran und Alt der Mezzo-Sopran gesetzt wird. Gewöhnlich 
verbindet sich mit der musikalischen Geltendmachung der Stimme das 
Wort, die Sprache. Nur ausnahmsweise wird der Ton an sich von ihr 
gebraucht, wie z. B. im 'l'riller, bei Stimmübungen u. s. w.; wir werden 
nur das gesungene Wort in Betracht ziehen. 
Man hat hiernach nun die Musik getheilt inlnstrumental- und 
Vocalmusik und aus der Vereinigung beider ein drittes Gebiet gebildet, 
somit auch in der Musik die beliebte Dreitheilung durchführend. 
Gehen wir von der Vocalmusik aus, so finden wir die Erhebung der 
Stimme zum Gesange, d. h. ein gesteigertes Gefühl hebt Höhe und Tiefe, 
Länge und Kürze der Wortsilben bedeutender hervor; die Gefühls- 
erregung zeigt sich gleichsam in höheren und tieferen, längeren und 
kürzeren Tonwellen, danach die Worte nun gehoben und gesenkt, ge- 
dehnt und gekürzt werden. Es ward oben bemerkt, dass ein begriHener 
Ausdruck eines Zustandes im Worte offenbar wird; auch das allgemeine 
Gefühl, ja dieses zuerst, wird sich natürlich in dieser Tonbeivegung ver- 
rathen, so z. B. im Singen des noch spraehunkundigen, d. h. noch nicht 
begreifenden Kindes, wie ein Gleiches geschieht beim Vorsichhinsummen 
des Erwachsenen, darin er der allgemeinen Stimmung Ausdruck giebt, 
ohne sich auf Wort oder Gesang etc. zu concentriren. Aehnlich der all- 
gemeine Gefühlsausdruck, der keine Worte findet, beim Jodeln, beim 
Trällern, Trillern u. dergL, bei dem etwa rein körperliche Lust oder 
das allgemeine Wohlgefallen an Tönen Ursache ist. Wo die Sprache 
aber zum Gesange gesteigert werden soll, da muss eine Gefühlserregung 
zum Grunde liegen. Das Gesprochene muss also dazu stimmen. Wenn 
mit den Worten keine Empfindung zu verbinden ist, so ist überhaupt 
kein Empfindungsatlsdruck, d. h. keine Musik dazu möglich, wenn keine 
Unwahrheit, kein Unsinn herauskommen soll. Die Abstraction, alles
        

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