Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178034
Schönen. 
Erklärungen (les 
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mehr ästhetisch wohlgefällig ist. Es braucht übrigens wohl kaum 
bemerkt zu werden, dass die sinnlich fassbare Gesetzniässigkeit der 
Aesthetik nicht als die skelettmiissigc, abstracte Gesetzmässigkeit der 
Begriiic verstanden werden darf, sondern stets von der Erscheinung 
derselben die Rede ist. Erscheinung des Begriffes also, nicht der 
Begriff allein ist Gegenstand der ästhetischen Betrachtung.   
Also die Idee in der Erscheinung oder die Gcsetzmässigkeit der 
Erscheinung an und für sich mag schön sein, oder besser, sie wird 
stets für höher begabte Wesen schön sein. Für den Menschen jedoch 
ist die Fähigkeit seines Verständnisses, seiner sinnlichen Auffassung 
derselben noch erforderlich. Darum die Beschränkung, die sich iibri- 
gens jeder Fortbildung des menschlichen, ästhetischen Vermögens 
anpasst. YVir können danach ein Ding im Anfang hässlich finden, 
weil wir seines Aiiblicks ungewohnt sind und nicht sogleich in uns die 
richtigen Maasse für seine Beurtlieiliiiig haben; diese können aber all- 
uiälig oder plötzlich gefunden oder ausgebildet werden, so dass wir 
nun vollkommen die Schönheit des erst so ungünstig betrachteten 
Gegenstandes zu begreifen und anzuerkennen im Stande sind. 
Nach dieser Erklärung lässt sich allerdings für die Schönheit kein 
weiteres Beschwöruiigsrecept geben, wonach sie für jeden Fall in 
ihres Wesens Kern enthüllt vor uns läge. Diese Zauberformeln und 
Universalmittel kommen auch in der Wissenschaft allmälig aus der 
Mode. Wir gestehen also freimütliig ein, dass unsere Definition nur 
erläutern soll, dass wir aber nicht durch die Versetzung ihrer Worte 
und kabbalistische Kunst nun die ganze Welt daraus herstellen können. 
Man verstand sich früher darauf. Man sagte z. B. A ist 2 A. Nicht 
A ist aber nicht z A. Und nun hatte man den ganzen Kram. Wie 
es gemacht wurde, ist hier nicht zu erklären, aber ehe man sich's 
versah, war das ganze Alphabet aus jenem A gekrochen; man hatte 
A B C bis zum Omega oder X. 
Also das Schöne zu erkennen, dazu gehört die Keniitniss der 
uns innewohnenden ästhetischen Gesetze und die Kenntniss der Gesetze 
der Erscheinung der Dinge. Diese Kenntniss muss gelernt oder an- 
geboren sein. Die Wissenschaft ist dazu da, zu lelireii, aber auch sie 
kann weder zaubern, noch hat sie bisher den berühmten Nürnberger 
Trichter erfunden. 
Wozu aber dergleichen aussprechen, wozu solche Spässe? Ist das 
nicht Alles Sclbstverstand? Der Spass wäre wirklicher Spass, wenn er 
nicht zu ernst wäre; die gerügte Methode ist leider noch heute, auch 
in der Aesthetik, nicht ganz überwunden. Aus zwei Worten das 
Schöne, das Hässliche, Erhabciie oder Gute, Schönheit und Wahrheit 
abzuleiten, gilt noch bei Manchen für nichts Unmögliches. Mit einem 
einzigen Begriffe, z_ 13,; Ich, oder: Sein ziehen verschiedene deutsche 
und fremde Gelehrte  die deutschen durchschnittlich am besten  
Lemeke, Aestlietik. 2. Anti. 3
        

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