Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182255
Tonwerkzeuge. 
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zusammengehörige Paar nennen dürfen; die Bratsche ist Bruder der 
Geige, noch ein Jüngling. Der Contrabass bewegt sich in der Tiefe; 
fest, machtvoll, nicht zu geschwind geht er seinen Weg. Seine Sprache 
ist gewiehtig, gewaltig in der Aufregung; dumpf, drohend ist sein Zorn. 
Zu Tandeleien ist er nicht mehr geeignet; er wird dann wenigstens 
leicht komisch. Im Quartett verbindet er sich gern mit der Bratsche, 
aber Geige führt doch die erste Stimme, jubelt, schluchzt, weint. Trotz 
der leidenschaftlichen Seenen, welche sie zusammen aufführen, welche 
namentlich Geige und Violoncello haben, über welche Bratsche sich be- 
kümmert, Bass oft zürnt,  die Schwester der Geige, die zweite Violine, 
die meistens zu ihrer Schwester steht, aber doch ruhiger ist, wollen wir 
hier nicht berücksichtigen  bilden sie doch zusammen die schönste 
Harmonie. Wie weit sie auch auseinandergehen, sie gehören doch 
zueinander; ihre Verschiedenheiten bringen reiches Leben; Schläfrigkeit 
ist das ihnen verhassteste. Es ist in ihnen ein herrliches Zusammen- 
wirken, welches zum Muster dienen könnte für das Zusammenwirken 
verschiedener Gharactere, die freilich innere Einheit haben müssen. 
In den Reissinstrumenten werden Saiten durch Reissen, Zupfen 
bewegt. Der Ton ist je nach den Saiten  metallenen, thierischen, 
umsponnenen  verschieden. Vom tiefen, vollen, gloekenartigen Klang 
geht er bis zum leichtesten, luftigsten Gesäusel und gleichsam weinenden 
Verhanchen, wenn der Ton der Saite verzittert. Die unmittelbar in 
Bewegung setzende Hand vermag einen nicht geringen Einiiuss durch 
Weichheit, Härte des Griffs u. s. w. auszuüben. Doch übergehen wir 
hier die Harfe, die Laute, die klingende Oither, die Guitarre u. a. 
Werfen wir unter den vielen Instrumenten nur noch einen Blick auf das 
Klavier. Hammer, welche von den durch die Finger geschlagenen 
Tasten in Bewegung gesetzt werden, schlagen metallene Saiten an. 
Man kann schon daraus ersehen, dass das Klavier ein sehr objectives 
Instrument ist, welches die Subjectivität des Künstlers nie in einer 
WVcise zu durchdringen vermag, wie z. B. Klarinette oder Geige. Der 
Ton liegt fertig. Er kann durch Drücken, Ziehen nicht festgehalten, 
dadurch nicht innerlich gemacht, nicht geschmolzen, nicht in einen 
anderen Ton ühergezogen werden. Es findet freilich der grösste Unter- 
schied beim Spiel statt; der wahrhaft künstlerische Klavierspieler hat 
die Kraft, im Anschlag sein Gefühl durch all die Mitteldinge hindurch 
noch electrisch auf den Ton wirken zu lassen, aber, wie schon gesagt, 
ist diese Empfänglichkeit des Klaviers doch verhältnissmässig sehr 
gering. Die Töne sind kurz, schnell vcrhallend, wodurch für die ein- 
fache Melodie ein empfindlicher Mangel entsteht, indem die Töne nicht 
die rechte Verbindung im Nacheinander bekommen. In gewisser Hin- 
sieht wird dieser Mangel durch die grosse harmonische Fähigkeit gut 
gemacht. Die Anzahl der Saiten, die Anwendung der zehn Finger, die 
Sicherheit im gleichzeitigen Greifen mehrerer Tasten, für deren An-
        

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