Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182200
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T01 
Die 
mkunst. 
erschant urird, Wo deshalb jeder Ton rein, klar, wohl gefügt sein muss; 
wie viele hunderte auch zusammenwirken" wo alle Tonverhältnisse in 
ihrer Weise so zu einander stimmen müssen wie die Raumverhäiltnisse 
in der Architeetur. Wenn wir durch einen Tempel hindurchwandern 
und an seiner schönen Ordnung, seiner Grösse, Kühnheit, seinem 
Schmucke uns erfreuen, so schliessen wir nur vom Aeussern auf das 
innere Gefüge und hoffen, dass es von den Werkleuteu fest und sicher 
gemacht ist. Beim Tonwerke stehen wir mittendrin, und das Schöne 
zieht um uns und über uns vorüber. 1.] eder Fehler des Zusammenbaues 
wird dem Knndigen sogleich wahrneimbai: In dem vielzähligen Ge- 
triebe des Aufbaues schrillt doch jeder unreine Ton verletzend hin- 
durch. Deshalb wird auch von dem nur ausübendeu Musiker Künstler- 
schaft in seiner Art verlangt, man könnte sagen: nie darf er ein 
gewöhnlicher liIaurer, sondern stets muss er zum wenigsten ein durch- 
gebildeter Steinmetz sein, wenn er auch nicht immer ein echter Bild- 
hauer ist.   
Die Menschenstimme, dann Werkzeuge aus dem Stoff der nnbeseel- 
ten oder der todten, einst beseelten Natur dienen also zur Hervor- 
bringung der Töne für ein Kunstwerk. Unbrauchbar ist die sogenannte 
beseelte, lebendige Natur ausser dem Menschen. Zu dumpf und geistig 
beschränkt, um auf die Absicht des Menschen eingehen zu können, zu 
eigenwillig und selbständig, um nur als Instrument zu dienen, kann man 
höchstens Kunststücke mit ihren Geschöpfen erzielen; manche Vögel 
lernen z. B. nachpfeifen und dergl.; für die Kunst sind sie weiter nicht 
verwendbar, so wohlgefällig sie auch durch ihre Töne werden können, 
wie dies beim Naturschönen angeführt worden. 
Das Mineral- und Piianzenreieh liefert die verschiedenartigsten In- 
strumente, dann aber auch vielfacher Stoff aus dem Thierreich. Viel- 
leicht hat dieser unter den frühesten dienen müssen, wenn er auch in 
gröberer Weise benützt seinen Ursprung deutlich zu verrathen scheint. 
Dumpf wie das Gebrüll des Stiers, ist der Schall des Stierhorns; dumpf, 
rasselnd der Schall des hohl gespannten Fells. Dann aber lernte man 
aus dem thierischen Stoff auch die Sehnen u. s. w. verwenden. Im 
Saiteninstrument ward der Klang, die Toninnigkeit dieses Gebietes 
gleichsam gefunden und entfesselt. Es würde hier zu weit führen, tiefer 
auf die ästhetische Verschiedenheit dieser, den genannten Gebieten an- 
gehörigen Tonwerkzeuge einzugehen. Die Glocke, die Orgelpfeife und 
die Violine, letztere in Ermangelung der mit Saiten überspannten Schihl- 
krötenschale etwa, mögen genannt werden als Vertreter des liiinerah, 
Pflanzen- und 'l'hicrrcichs. Bekanntlich finden die mannigfachsten 
Verbindungen statt." Einen bedeutenden Unterschied macht bei den 
Instrumentken die Art ihrer Benutzung, wie sie zum "Ilonerzeugen ge- 
bracht werden. Hier wollen wir einzelne Instrumente herausgreifen und 
sie kurz zu charakterisiren suchen. 
        

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