Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1182102
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Die Malenei. 
copirte und ein in den Formen abgeschmacktes Bild lieferte? Höchstens 
der Forscher der Culturgeschichte, der Antiquar u. s. w. Wer die Trag- 
weite eines so einfachen Gedankens ermisst und das malerische Kunst- 
werk von der Illustration (wie das Gedicht von der prosaischcn Erklärung 
und Beschreibung) zu sondern weiss, wird der Kunst ihre noth- 
wendige Freiheit zu bewahren wissen und den richtigen Standpunkt 
finden. 
Was die vielberegte Frage anbelangt, 0b der Maler das Uebersinn- 
liche hereinziehen darf, so lässt sich auch da nur mit dem antworten, 
was Lessing in Bezug auf Gespeustererscheinungen gesagt hat. Der 
Künstler soll sie da bringen, wo sie hin gehören. Der Glaube ent- 
scheidet dafür. Doch soll der Maler sich nicht einbilden, dass er stets 
einen deus ex machina bereit halten (larf, der über die Schwierigkeiten 
hinweghelfen muss, nachdem demselben in der Dichtung das Handwerk 
gelegt ist. Ferner soll er nicht vergessen, dass die übersinnlichen Ge- 
stalten z. B. eines Klopstock zwar sehr zweckdienlich sind, um aus der 
Kleinnialerei eines „J0hann der muntere Seifensieder", so anmuthig die- 
selbe sein mag, oder aus Brockes und Ehren-Gottschcds oder Herrn 
von 'llrillers Dichtungen hinaufzuzeigen in eine andere Welt, dass sie 
aber leicht recht langweilig werden, und langweilige Schönheiten noch 
schlimmer sind als interessante Hässlichkeiten. Die Malerei drängt 
zum Concreten. Der Maler soll sich wohl hüten, dass er nicht verdacht, 
wo er durch übel-irdische Erscheinungen wirken will, was immer ge- 
Schicht, wenn er dadurch nichts weiter bezweckt als eine Erklärung des 
Dargestellten;  
Ueber die mancherlei Arten der Historien- und Ideenbilder muss 
ich hinweggehen, indem eine Aufzählung doch nur ungenau sein könnte 
und wenig besagen würde. Was könnte es helfen, hier auf wenigen 
Seiten einem Rafael oder Rubens folgen zu wollen. Man braucht nur 
an einen Cornelius, an Schnorr, an Genelli, Overbeck, Kaulbach, Dela- 
roche, Vernet, Gallait zu erinnern, will man Namen der Gegenwart oder 
der jüngsten Vergangenheit nennen, um die Verschiedenheit dieser Ge- 
biete zu erkennen. Man denke an C0rnelius' Faust, seine Nibelungen, 
seine Bilder des Campo Santo und sein jüngstes Gericht, an Schn0rr's 
Kaiserbilder und die biblischen Bilder, an Overbeckis Heiligenmalerei, 
an Kaulbachis Ideenbilder der Geschichte, Genellfs Compositionen aus 
der Antike, an Delarochds Geschichtsbilder gleichsam im Stil Macau- 
lay's  und man wird leicht die Unmöglichkeit erkennen, in der Kürze 
die Unterschiede hervorzuheben. Jeder bedeutende Mann hat seinen 
Stil. Und jede Sache erfordert wieder ihren eignen. Mit übermässigem 
Definiren aber ist wenig gethan. Wir müssen hier dem Leser das Ein- 
zelne überlassen und können es um so leichter, weil die Absicht ferne 
liegt, demselben durch Worte die Eindrücke zu geben, welche er durch
        

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