Volltext: Populäre Aesthetik

Blumenstück , 
Fruchtstück, 
Stillleben 
GtC. 
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Art sein müssen, um uns dauernd zu fesseln; man erinnere sich nur, 
dass der Maler das bedeutende ästhetische Wohlgefallen des Wohl- 
geruches nicht wiedergeben kann, welches uns so häufig auch die sicht- 
bar-unbedeutenderen Erzeugnisse der Blumenwelt anziehend macht. 
Desto mehr hat er also auf Form, Farbe und namentlich auf Zusammen- 
stellung der Farben zu achten. Ein tiefer und freudiger Sinn für das 
Ptianzenleben rund das, was man das Seelische desselben nennen kann, 
ist nöthig, um es recht zu erfassen; doch soll damit in keiner Weise 
einer seelisch-mystischen Auffassung das Wort geredet werden, wie sie 
Sentimentalität und Dilettantismus zu lieben und uns namentlich in den 
letzten Jahrzehnten zu bieten pflegen. Wenn schon die Blumen, etwa 
durch d-ie Vase, darin sie gesammelt stehen, in das sogenannte Stillleben 
hinüberführen, so noch mehr die Früchte, zu denen so leicht Schalen, 
Messer, Korb oder dergleichen gebildet werden. Ein voller Apfel ist 
ein Fruchtstück; der angeschnittene, mit einem Messer daneben, wird 
schon als Stillleben bezeichnet. Man kann sagen, dass das Stillleben 
uns die Wirksamkeit des Menschen im engern Lebenskreise zeigt oder 
vielmehr die Spuren derselben; der Mensch selbst, so wie alles Lebendige 
ist ausgeschlossen. Die Geräthe, die er gebraucht, die er sich verfertigt 
hat, die zubereitete Speise, der Raum, den er sich hergerichtet, solche 
Darstellungen geben das Stillleben. Auch das todte Thier wird dahin 
gerechnet, wenn die menschliche Thätigkeit in der angegebenen Art 
darauf Bezug hat. Der todte Fuchs ist ein Thierstück; der erschossene 
Fuchs mit der Flinte daneben wird Stillleben genannt. Bei diesem 
müssen wir den Geist des Menschen empünden oder das Walten seiner 
Hand sehen, das stille Leben und Weben, das die benutzten Dinge um- 
schwebt, das sich durch ihre Wahl, Eigenthümlichkeit der Form, Art der 
Abnutzung, Stellung u. s. w. kund giebt. Eine eigenthümliche Poesie 
findet im Stillleben ihren Ausdruck. Welch eine Perspective in die 
menschliche Stellung, z. B. welchen Einblick in Behäbigkeit 0de1' in 
prunkenden, kalten Reichthum vermag ein gedeckter Tisch zu geben. 
Ein Glas Bockbier mit einem Rettig, und Erinnerungen schweben darum 
für einen Münchener Kenner. Eine Schüssel mit Austern, Hummer, 
Rheinweinglas und Citrone  sitzt nicht, wer die erblickt, in Gedanken 
in einem kühlen Keller einer Seestadt und fühlt heitere Erinnerungen an 
die Freuden seines leiblichen Thcils? Ein zerbrochener Krug und eine 
Puppe können genügsam reden. Ein angefangener Strickstrumpf, eine 
Brille darauf und ein Lehnstuhl  ist nicht soeben erst die Grossmutter 
fortgegangen? Ein geschossener Hase, eine Flinte und ein Paar lange, 
beschmutzte Stiefeln, erzählen die nicht genug zusammen, oder eine 
Küchenansicht mit all den Geräthschaften für dieses so wichtige Depar. 
tement der inneren Angelegenheiten? Der Künstler steht hier an der 
Grenze von 'I'hierstück und Genre; in Bezug auf dieses giebt er Bühne, 
Stimmung; den Acteur lasst er den Zuschauer spielen. In den Archi-
	        
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