Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181810
Darstellung der 
Die malerische 
unboseoltcn 
Natur 
etc. 
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Die Malerei hat die ganze Erscheinungswclt für die Kunst geöffnet. 
Wir sahen, wie der Plastiker auf die reine Schönheit, auf das Ideal hin- 
gewiesen ist. Der Maler ist in seiner Art fast so frei wie der Dichter. 
Nur das Absolut-Plassliche, Böse, Verzerrte, das Hässlich-Furchtbare 
in allen seinen Schrecken ist ihm nicht erlaubt; da fehlt ihm die Macht, 
dasselbe aufzulösen. Ekel darf er uns nicht erregen und widriges 
Grausen soll er nicht erwecken. Wohl aber darf er das Furehtbare an- 
wenden, wenn er den Ekel vermeidet. Das Schreckliche, Ungeheure, 
Tragische, Erhabene, Schöne, Liebliche, Kleinliche, dann, namentlich 
unter komischen Gesichtspunkten, das ganzeiGebict des Alltäglichen 
und Niedern  in Allem kann er frei schalten und walten und vom 
Idurchtbarsten und Schaurigsten bis zum Neekisehsten unsere Empfin- 
dungen führen. Der Maler lasst die Verdammten zdr Hölle sausen und 
darin knirschen; die Gräber thun sich auf vor ihm und zeigen die 
Todten; er schildert Schmerz, Marter, Tod, Verzweiflung  aber die 
angegebene Gränzc muss eingehalten sein. Sehindereien, wie die Marter 
des h. Bartholomäus von Ribera, Gestalten, welche Ekel erzeugen und 
in fauliger Verwesuug starren, die übertriebenen Marterrohheiten und 
ihre wahnsinnigen Brutalitäten sowie das Wahnsinnige als solches im 
Allgemeinen, die ganze Verzuckung und Verzerrung der Empfindungen 
und des Lebens, das ist so wenig sein Reich, als es überhaupt in die 
Kunst gehört. Es ist schon ein wahrer Jammer, dass die lliartyrergc- 
schichten eine solche Unzahl von Gemälden haben entstehen lassen, bei 
denen das Grausige des Gegenstandes die Darstellung überwiegt, b_ei 
denen wir weder einen tragischen, noch traurigen Eindruck, sondern 
nur einen entsetzlichen bekommen. Und obendrein all die Tröpfe mit 
Seelen, die Freude daran gehabt zu haben scheinen und gleichsam ihre 
Henkerlust unter solchen Vorwürfen austoben konnten! die ihre Un- 
geschickliehkeit und Pocsielosigkeit hinter diesen Sehaffotlarven und 
Fetzen verstecken. 
Was die Darstellung des Niedern betrifft, so verweise ich auf das 
im allgemeinen Theil Gesagte, sowie auf das Gapitel vom Komischen. 
Bei der Betrachtung der Genremalerei werden wir Gelegenheit haben, 
noch einige Einzelheiten in's Auge zu fassen. Im Uebrigen haben die 
allgemeinen Bestimmungen über die Empfindungen auch in der Malerei 
vollständige Geltung. 
Die-malerische Darstellung der unbeseelten Natur, 
Thierischen und. Menschlichen. 
des 
Man macht 
scheidet Blumen  
eine Menge Eintheilungen in der Malerei. Man unter- 
 und Fruehtstücke, das sogenannte Stillleben, Archi-
        

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