Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181749
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Die Malerei. 
Ueber das technische Verfahren nur wenige Bemerkungen: Der 
Maler bildet seine Werke auf Tafeln von Holz, von Stein, Kalk, Metall, 
Porcellan, Glas, Elfenbein, Leder, Leinwand, Papier und anderen 
Materialien. Das Verfahren ist dabei ein sehr verschiedenes. Bald 
deckt er den Grund mit den Farben und benutzt ihn nur als Halt für 
dieselben, wie z. B. bei der Oelmalerei; bald benutzt er den Grund des 
Materials der Fläche selbst, wie in der Aquarellmalerei, wo er das 
glänzende Weiss des Papiers durchscheinen lässt, die Farbe durchsichtig 
darüber legt. Die Aquarellmalerei vermag dadurch eine sehr grosse 
Wirkung in Bezug auf Leuchtkraft des Gemäldes hervorzubringen. Die 
Guachemalerei benutzt die Farben wie die Aquarellmalerei, nur dass 
sie dieselben undurchsichtig, deckend behandelt. Die Pastellmalerei 
gebraucht trockene, farbige Stifte, deren Striche sie sodann verreibt. 
Bei der Oelmalerei gehen die Farben vermittelst des verbindenden Oeles 
die leichtesten Verschmelzungen miteinander ein. Beider vor der Oel- 
malerei allgemein üblichen Temperamalerei wurden die Farben durch 
Leimwasser, geschlagenes Eigelb, den Saft aus den zarten Sprossen 
des Feigenbaumes gebunden; es ward auf Holz und Leinwand gemalt, 
welches einen Gypsgrund bekommen hatte, dann auch auf trockner 
Mauer. Das Malen auf trocknem Grunde heisst im Gegensätze zu dem 
auf nassem Grunde (al fresco) auch Seccomalerei. Die Alten über- 
zogen wohl ihre Malereien mit einer Wachsauflösung; sodann wurde 
durch nahgebrachte glühende Metallplatten  das Wachs in die Farben 
hineingeschmolzen, die dadurch einen hohen Glanz bekamen. Nach 
dem Einbrennen (äyxaleiv) wird diese Art Enkaustik genannt. Bei der 
Frescomalerei werden die Farben auf einen feinen, feuchten Mörtelgrund 
getragen, der mit den Farben zugleich trocknet, wodurch sie ihre Halt.- 
barkeit bekommen. In neuerer Zeit findet die Stereochromie grosse 
Verbreitung für Wandgemälde. Auf troknen Grund werden die mit 
destillirtem Wasser gelösten Farben aufgetragen; sodann wird das Bild 
mit Wasserglas überspritzt und dadurch geschützt. 
Jede Art hat ihre eigene Technik und ihren eignen Stil. S0 z. B. 
muss die Freseomalerei schnell malen; sie ist an die Nässe des Kalkes 
gebunden. Sobald dieser eingetrocknet ist, ehe der Maler ihn hat be- 
malen können, muss er wieder heruntergeschlagen und frisch aufge- 
strichen werden. Dadurch wird der Maler gezwungen, im Grossen und 
Ganzen zu arbeiten, einen breiten, kühnen Pinselstrich zu führen. Er 
wird sich also an die Hauptsachen halten und Nebensächliehes bei Seite 
lassen oder vernachlässigen. Von der Architectur in eigentlichster 
Weise als Rahmen umschlossen, darf sie nicht in ihrem Stil aus dem 
Architectonischen herausfallen und ist dadurch in dem ganzen Aufbau 
des Bildes, in den Linien desselben an einen strengeren, jenem ent- 
sprechenden Stil gebunden. Darum sagte Michelangelo, dass die Freseo- 
malerei die Malerei für Männer, die Oelmalerei aber eine Kunst für
        

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