Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181727
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Malcrci. 
Die 
Aufbau nach der strengsten künstlerischen Nothwendigkeit zu gestalten 
hat, dass darin kein Willkürliches Spiel herrscht, sondern stets der 
Hauptgrund im Auge behalten sein muss, dass dadurch das Ganze 
geordnet, übersichtlich gemacht und nach seiner Bedeutung das Ein- 
zelne hervorgehoben wird. Mit einer Composition, die dies nicht thut, 
ist nichts gethan, so künstlich sie auch zusammengebaut sein mag. 
Die Wirkung der Farbe, des Dunkels, des Lichts, des Lebendigen 
der schweren Massen gegen leichtere, aber ausgedehntere Körper wird 
man danach hinsichtlich der Oomposition leicht erkennen, namentlich 
wenn man an das über das Gegengewicht Gesagte sich erinnert. Auf 
einem Strandbilde z. B. darf ein hügelartiger oder berghoher Strand, 
zumal wenn er schwer, dunkel in der Farbe gehalten ist, nicht die 
Hälfte des Bildes einnehmen, wenn er nicht dasWasser überwiegen 
soll, wodurch das Bild unruhig würde. Sobald aber im Wasser, kräftig 
betont, ein Boot mit Menschen oder ein Schiff gemalt ist, fällt die 
Bedeutung derselben so schwer in's Gewicht, dass das Uebergewicht 
des Leblosen im Strande aufgehoben ist. Auf einem Bilde von Joseph 
Vernet sehen wir ein stürmisches Meer. Links ein mächtiger durch- 
höhlter Felsen, in dessen Höhlung Gestalten. Wo der Felsen in's Meer 
sich senkt, ist der künstlerische Mittelpunkt. Rechts davon ein ziemlich 
fernes, scheiterndes Schiff, ganz rechts die offene, stürmende See mit 
entfernteren Schiffen. Der Felsen mit den Gestalten darunter würde 
hier trotz des weiteren Meeres und der Wetterwolken die Linke zu sehr 
belasten, wenn nicht seine fortgesetzte Linie auf ein grosses Boot mit 
Menschen im mittleren Vordergrunde des Bildes stiesse. Dies, mit dem 
stürmischen Meere zusammen, hält der wuchtigen linken Seite des Ge- 
mäldes völlig das Gegengewicht. Dass die durch Dunkel oder durch 
Farbe betonten und eifectvoll gemachten Objecte schwerer drücken als 
die ohne Effect des Lichtes oder der Farbe behandelten, lässt sich leicht 
bei aufmerksamer Beobachtung guter Gemälde finden, andererseits aber 
schwer ohne genaue Vorbilder durch Worte ausdrücken. 
In ähnlicher Weise, aus denselben Gründen ordnet der Künstler 
die Tiefe seines Bildes, wo dieselbe in ihrer Fülle eine grössere Ueber- 
sieht wünschenswerth macht. Hier wird die Dreitheilung zum Vorder- 
grund, Mittelgrund und Hintergrund. Die Hauptbedeutung kann der 
Maler je nach seinem Stoffe in die eine oder die andere Region verlegen. 
Man denke an Figuren mit Landschaft, wo die Figuren im Vorder- 
grunde die Hanptbedeutung haben, wie z. B. an Giorgionäs-Bild 
Jacob und Rahel. Im Vordergrunde Jacob und Rahel, im Mittelgrunde 
Hirten mit Heerden, im Hintergrunde Landschaft. Auf dem Bilde von 
Schnorr, das den Einzug Friedrich Rothbarts in Mailand darstellt, sehen 
wir den Kaiser im Mittelgrunde; ebenso in der Composition, die das 
Zusammentrelfen Friedrichs mit Pabst Alexander darstellt. Den Vorder- 
grund nehmen dort Gruppen von deutschen Kriegern und Mailändern,
        

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