Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181716
Comp osition. 
381 
Wir sehen hier drei Figuren in der Zweitheilung. Gott bildet die 
eine Seite. Alle Linien führen zu ihm hin. Sein Haupt beherrscht das 
Ganze. In der mächtigen steilen Linie des Mantels schliesst hier die 
Figur ab, zu welcher die Wellenlinien des Ilaupthaares und der Schulter 
hinübervermitteln. Adams Unterkörper giebt die Linien der Basis; 
aber von der Wölbung der Brust an geht über den leise zurückge- 
drückten Kopf und Evas Rücken und Haupt die Linie zur Hand und 
darüber zum Haupte Gottes. Die Arme der Eva nehmen diese Linie 
ebenfalls auf, sie wesentlich verstärkend. Die Macht des in weitem 
Mantel dastehenden Gottes ist so grandios, dass die gewaltigen Ge- 
stalten Adam's und Eva's zusammen sich harmonisch ihr unterordnen 
Welch ein Geist, Welche Macht in dem Bilde, und welches Liniengefühl, 
welch ein künstlerisches Können! Im Allgemeinen wirkt der strenge 
Stil gern durch eine ziemlich genaue Symmetrie, indem er gleichsam 
architectonisch seine Figuren oder Gruppen zusammenstellt. Je mehr 
der Maler die Hauptbedeutung in das Colorit setzt, desto mehr pflegt 
er sich von dieser strengeren Ordnung zu dispensiren. Er hat doch die 
Macht durch die Farbe zu zeigen, worauf der Hauptausdruek liegt. 
Ganz die Liniencomposition zu vernachlässigen und Alles in die Farbe 
zu setzen, führt leicht auf die früher schon angeführten Abwege, Die 
Formen müssen uns stützen. Als ein Muster der Verschmelzung könnten 
wir hier Paul Veronesäs Anbetung der Weisen anführen (Fig. 45). 
Hier lauft von dem Jagdhunde an über die Pagen und den König die 
sacht ansteigende Linie zum Christuskinde. Von oben rechts führen 
die Linien, wenn auch wveniger deutlich ausgeprägt, ebenfalls zum 
Gesicht der Maria und zum Kinde hinunter. Links ist in Joseph und 
dem Hirten eine Verstärkung der lllariengrtippe. Obgleich hier die 
künstlerische Mittellinie durch den knieenden König geht, nicht durch 
die Mitte des Bildes, hat Paolo durch die Lieblichkeit der Jungfrau und 
den Nachdruck des Lichtes, der Farben und der angeführten Linien es 
doch bewirkt, den anscheinend so weit aus der Mitte gerückten Schwer- 
punkt des Bildes in der Maria mit dem Kinde ganz deutlich festzu- 
stellen. Es kann kein Zweifel darüber herrschen, wo die Hauptidee des 
Gemäldes zu suchen ist. In dieser Weise ordnet der Maler nach der 
Brcitentheilung oder Langenriehtung, wie man auch sagen könnte. Ein 
der Höhe nach niedriges Bild wird ihn natürlich zu sanfter ansteigenden 
oder sich absenkenden Linien führen, ein mehr hohes als breites Bild 
Nwird ihn steiler führende Linien wählen lassen. Oft wird er die um- 
schliessende, zusammenfassende Pyramidaleomposition Wahlen, oft 
gleichsam die umgekehrte, die von den höheren Seiten auf die tiefere 
Ilailptiigui- führt, wie wir dies z. B.__in der heiligen Familie des Dürer- 
sehen Holzselmittes sehen, wo die Linien schon von Dach und Bänmen 
abwärts zum Kinde laufen (Fig.  Uebrigens ist kaum nöthig, zu 
sagen, dass jede Composition sich 111 Gruppenbildung und linearen)
        

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