Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181662
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Malerei. 
Die 
diese Lehre vor Augen hat, wird sicherlich nicht seine Gemälde über- 
laden durch unnütze Einflickungen und Nebenscenen, die eher ein Werk 
verwirren, als sie die gewöhnliche Absicht des Künstlers erfüllen, sein 
Werk reich erscheinen zu machen. Ueber die Nothwendigkeit, alle in 
sich geschlossenen malerischen Erscheinungen auch als selbständige 
Gemälde zu behandeln und somit sie auch durch Rahmen und dergl. 
selbständig hinzustellen, habe ich schon gesprochen. Die einzelnen 
Werke können sich dann allerdings ergänzend aneinanderreihen. Dass 
der Künstler aber zur Darstellung seiner einheitlichen Idee nicht daran 
gebunden ist, wie dieselbe sich nun etwa in der Wirklichkeit zuge- 
tragen hat, braucht nach dem Gesagten nicht näher auseinandergesetzt 
zu werden. Er hat nur zu fragen, 0b sie sich so zugetragen haben 
kann; je mehr seine Darstellung zu der Wirklichkeit stimmt, desto 
besser; je weniger sie stimmt, desto weniger darf er uns täuschen 
wollen, desto mehr muss die rein künstlerische Behandlung vorwiegen 
und uns darüber belehren, dass wir ein freigeschalfenes Kunstwerk vor 
uns haben. Die ideale Behandlung wird dann verlangt anstatt der 
realistischen, die sich genau an das Gegebene hält und in der getreuen 
Nachbildung einen Werth setzt, den sie der strengeren Schönheit nicht. 
glaubt opfern zu dürfen. Schon daraus ist zu ersehen, dass nicht Eins 
sich für Alles schickt. Widernatiirliches ist niemals gestattet. Wie 
durch unsern Blick Alles, was wir sehen, seinen Zusammenhang erhält, 
so hat der Künstler durch das Durchdringen der Idee durch alle Einzel- 
heiten seines Werkes demselben eine geistige Einheit zu geben. Fehlt 
sie, so fällt das Ganze in Stückwerk auseinander, wie richtig auch die 
äusseren einheitlichen Formen beobachtet sein mögen. 
Wenn der Maler zur Darstellung seines Bildes schreitet, so gilt 
es vor allem den Stoff zu ordnen. Wir begegnen hier wieder unseren 
bekannten Gesetzen. Vor allen Dingen macht der Künstler, instinctiv 
oder bewusst, eine Vielheit übersichtlich, indem er sie in wenige 
Gruppen zusammenzieht, von denen jede wiederum in sich schön 
geordnet ist. Er stellt also z. B. nicht dreizehn Personen gleichmässig 
nebeneinander, sondern wendet auf sie eine dreitheilige Ordnung an. Be- 
trachten wir das Abendmahl des Lionardo da Vi11ci (Fig.43). Der-Künstler 
giebt eine Dreitheilung. Christus ist zwischen die beiden Gruppen zu 
seiner Seite gestellt, von denen jede aus sechs Personen besteht. Durch 
die Stellung in der Mitte, dann durch die Haltung seiner Arme und 
Hände verbindet er dieselben auch in den Formen, ganz abgesehen von 
dem Ausdrucke der Gesichter und den Gesticulatioilen der Jünger, die 
alle auf ihn hinweisen. Die Lichtfülle durch die geöffnete Thür ver- 
stärkt seine Bedeutung; denn Lieht und Farbe muss hier der Hoheit 
des Ausdrucks des Einzelnen zu Hülfe kommen. Aber Lionardo war 
damit nicht zufrieden, dass er durch diese Dreitheilung das AGQIIZB 
übersichtlich gemacht, den Mittelpunkt hervorgehoben und durch die
        

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