Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181612
Auffassung. 
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Maria mit dem Christuskinde, wie sie gang und gäbe in der kirchlichen 
Auffassung dasteht, hat für Rafael nur so viel zu bedeuten, als ihm 
gut dünkt. "Seine Madonna della Sedia. oder die Madonna des Herzogs 
von Alba (Fig. 41) sehe man an. Welch ein Bild! Aber wie weit ent- 
fernt von der Himmelskönigin, wie sie sonst durchgängig aufgefasst 
wurde und aufgefasst wird. Oder betrachten wir die Erschaffung des 
Menschen von Michelangelo (Fig. 42). In irdischer Schwere am Boden 
liegend, noch zu matt an Geist und Körper, um hell zu denken und 
sich kraftvoll aufrichten zu können, so ist der erste Mensch gebildet, 
in herrlicher, malerischer Weise die Worte darstellend: Und Gott 
machte den Menschen aus einem Erdenkloss. Nun folgt: Und er bliess 
ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Aber statt dass Michel- 
angelo versuchte, dieses wörtlich darzustellen, bildet er Gott in der 
Luft schwebend am Rande des Berges, auf welchem Adam liegt. Ein 
Wehen des Geistes glaubt man zu gewahren im Wehen des Windes, 
-darin Gott schwebt. Er streckt die Rechte gegen den Menschen aus, 
der ihm matt, sehnsüchtig verlangend die Linke hinhält, damit Gott 
sie fasse und ihn aufriehte; wir glauben zu sehen, Wie schon jetzt, wo 
der Finger Gottes sie noch nicht berührt, der lebendige Funke übe1'- 
fahrt, wie der Mensch als lebendige Seele sich erheben muss, mit gött-
        

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