Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177949
Die 
Enlpündungen. 
Das Empfinden wird vermittelt durch die Sinne, deren wir fünf 
annehmen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen. Von diesen 
nennen wir die beiden ersten höhere, die übrigen niedere Sinne. Jene 
sind gleichsam freier, diese mehr oder minder gebunden. Beim 
Schmecken und Fühlen ist ein unmittelbares Berühren nöthig; bei 
ihnen, auch noch beim Riechen sind es Theilchen der Dinge selbst, 
welche auf die Sinnesorgane treffen und darin Veränderungen hervor- 
rufen, die das Gefühl von Zuständen geben. Beim Hören und Sehen 
bleibt das Ding selbst fern; es findet nur eine mittelbare Einwirkung 
von demselben auf uns durch die Luft- oder Aetherschwingungen statt. 
Je weniger wir dadurch das Ding selbst körperlich haben, desto besser 
Vermögen wir es in solchem Fall geistig zu erfassen, eine desto bessere 
An- und Uebcrsicht gewährt es uns gleichsam durch dieses Ferner- 
stehen; unsere Vernunft bekommt dabei einen ganz anderen Spiel- 
raum als durch jene Aufnahme von einzelnen Eindrücken und empfun- 
denen Einzel-Zuständen. Damit hängt die Bedeutung der höheren 
Sinnesthätigkeiten für die Phantasie zusammen. Nur sie haben die 
Kraft, sich derselben förmlich einzupräigen und Eindrücke zu hinter- 
lassen, welche wir uns immer wieder vor dem geistigen Blick oder 
Gehör d. h. vor dem Bewusstsein zur Anschauung bringen und wieder 
ablesen können. Sie besitzen vrirkliche Einbildungsltraft. Ich weiss, 
dass der Apfel duftet, gut schmeckt, sich etwa so oder so, weich oder 
rauhlich anfühlt, ich kann mir aber weder Duft, noch Geschmack, noch 
Gefühl von demselben reproduciren, wohl aber in der Phantasie sein 
Bild, seine Form. Unter der Einwirkung animalischen Verlangens 
kann mir nach einer Speise der Mund wässern, aber den Geschmack 
selbst des Sauren, Süssen u. s. w., den ich kenne, kann ich mir nicht 
hervorrufen; er ist verfiogen, sowie die letzten Theilchen, welche 
chemisch auf meiner Zunge wirkten, entfernt sind. Ist die Verände- 
rung m der Haut vorüber, die das Gefühl erregt, so empfinde ich nicht 
mehr Brennen, Frieren, Druck, Schlag, so kann ich mir das Gefühl,
        

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