Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181258
Relief. 
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mit dem Hirsch, Venus und Mars, Laokoon, den farnesischen Stier, 
das Grabmal der Mediceer von Michelangelo, Giebelgruppen wie die 
äginetische, die Frcibildung der Niobiden nenne. 
Nur im Relief ist die Bildnerei an den Hintergrund gebunden. Jeder 
andere Hintergrund ist ein willkürlicher. Dicht an eine Wand gerückt 
wirkt eine Bildnerei mehr reliefartig; die freie Gestalt hat nur in 
weiterer Bedeutung einen Hintergrund. Ganz im Allgemeinen hat bei 
ihr derselbe nur den Zweck, das Bildwerk deutlich hervortreten zu 
lassen; dies geschieht am besten," Wenn der Blick durch den Hinter- 
grund nicht abgezogen wird, der Lnftschimmer die Figur nicht beein- 
flusst, sie z. B. nicht schmäler erscheinen lassen kann, der Hintergrund 
nicht störend wirkt durch seine Farbe oder indem irgend etwas Anderes 
darin zu unruhig gegen" das Bildwerk erscheint. Am einfachsten werden 
solche Störungen vermieden durch eine Wand, welcher Art dieselbe nun 
auch sein möge. Die Arehitectur verschafft, um es kurz zu sagen, den 
besten Hintergrund. Sie kann durch Bau, Farbe u. s. w. jeder Anfor- 
derung genügen. Wie sie nun im Giebel den Rahmen giebt, durch 
Wand oder Nischenbildung, durch Umschliessen des Bildwerkes über- 
haupt in Zimmer, Halle, Tempel, durch Umrahmen mit Häusern 
u. s. W. den Hintergrund giebt, kann hier nicht eingehender erörtert 
werden.  
Das Relief leitet zur Malerei hinüber. Das Bildwerk wird nicht 
frei dargestellt, sondern auf einer Fläche wird ein erhöhtes Bild ge- 
schaffen. Je flacher es gehalten ist, desto mehr wirkt es als Zeichnung; 
je höher und freier die Formen herausgebildet werden, desto mehr 
wirkt es durch Körperlichkeit, darum neben "der Zeichnung auch noch 
durch die Licht- und Schattenbildung dieser Körperlichkeit. Das Relief 
stellt auf einer Flache dar, durch diese gebunden, auf dieser wirkend, 
ohne das es wie die Malerei dieselbe durch Farbengebung vernichtet, 
also z. B. eine Gegend oder Gruppen in dem Schein der Körperlichheit 
perspectivisch vertieft darstellt. Will es durch Körperlichkeit und 
Schein zugleich wirken, also etwa Plastik und Malerei verbinden, so 
kann nur eine Halbheit daraus entstehen. So bleibt es den plastischen 
Gesetzen hinsichtlich des Aneinanderreihens, der Ueberschneidung 
u". s. w. unterworfen. Ein reihenmassiges Nacheinander der Gestalten 
in der Längenausdehnung ist ihm geboten; perspectivische Tiefen- 
bildungen sind unplastisch. Wenn es, um nicht zu einförmig zu sein, 
Gestalten hinter einander bildet, so muss dies Hinter-einander doch ein 
solches Nebeneinander sein, dass keine bedeutende perspeetivische 
Einwirkung zu entdecken ist. Das Relief giebt eine Melodie mit keiner 
oder geringer Begleitung; es überschreitet seine Granzen, Wellll es auch 
eine Harmonie zeigen will. Wohl müssen. nun die einzelnen Figuren 
dieser Melodie harmonisch zu einander gestimmt sein, müssen Eui-hyth- 
mie zeigen; Einheit und Mannigfaltigkßili, Wechsel, Abgeschlossenheit
        

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