Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181216
Einzelbild. 
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hier auf das Detail einzulassen und darauf verzichtend, auf das Herr- 
liche einer schönen Reiterstatue näher einzugehen; will ich nur darauf 
aufmerksam machen, dass ein stehendes Pferd mit einem Reiter darauf 
zu bilden eine Verkehrtheit ist, indem darin ein ästhetischer Widersinn 
gegen den Begriff des Reitens, des sich von der Stelle Tragen-lassens, 
liegt. Der Künstler, der Wellington auf dem stehenden Bosse bildete, 
wollte das ruhige Lenken des Feldherrn von einem Punkte aus dar- 
stellen. Auf diesen Gedanken hin arbeitend, verfiel er in Geschmack- 
losigkeit und einen grossen ästhetischen Fehler, weil er das Boss 
nicht opfern wollte. Und so bildete er die steife Reiteriigur, die 
obendrein noch der Quere nach gestellt wurde, so dass der Weg quer 
unter ihr durch den Bogen geht, worauf sie steht, ein liiusterbild, wie 
Schwierigkeiten nicht überwunden sind. Auch einer andern Schwierig- 
keit eines Reiterstandbildes sei hier Erwähnung gethan. Der aufrecht 
getragene Kopf und Hals des Pferdes verdeckt von vorn einen grossen 
Theil der Menschengestalt. Namentlich bei einem hochstehenden Stand- 
bilde wird dies störend. Der Künstler muss hier durch eine Wendung 
des Pferdekopfes oder Biegung des Halses, auch durch Vergrösserung 
des Menschen, wenn die Vorderansicht maassgebend ist, abhelfen; 
doch darf er nicht in den Fehler verfallen, dem Pferde eine Position 
zu geben, als 0b es vor dem Abgrund unter dem Postamente scheue, 
wozu der niedrig gestellte Hals und Kopf verführen kann. In schöner 
Bewegung ist das Pferd zu bilden, dabei eher unter als über dem 
wahren Grössenverhältniss zum Reiter, indem sonst das Thier zu sehr 
die Menschenligur beherrscht. An der Reiterstatue des Bart. Colleoni 
in Venedig ist das Pferd zu gross; auch am Rauchschen Denkmale ist 
es sehr gross , in richtiger Grösse erscheint es am Maximiliandenkmale 
von Thorwaldsen in München. Eher etwas klein, aber vortrefflich auf 
einen etwas höheren Stand der Figur berechnet, ist das Ross des 
Kurfürstenbildes von Schlüter in Berlin. (Fig. 31.) Von der imposan- 
ten Bildung des Rosses und des gewaltigen Mannes abgesehen, kann 
man an den Linien, die Kopf und Nacken des Rosses bilden und die 
dann in höherer Weise durch Brust und Kopf und Haar und Mantel 
des Mannes wiederholt werden, so wie an der dadurch bewirkten Ver- 
bindung studiren, was Aufbau heisst. Wie gipfelt sich das Ganze in 
dem mächtigen Haupte! Wie reitet der Fürst, wie schreitet das Ross 
daher! Welche Kraft und dabei welche Ruhe! Trotz des Schrittes, 
meint man, dieser Mann auf diesem_Ross müsste zehnmal bewegter 
daherstürmende Reiter niederreiten. 
Mensch und Thier, dann Mensch und Mensch nebeneinander geben 
die eigentliche Gruppe, bei der wir nun das über Einheit und Gliede- 
rung Gesagte ins Gedächtniss zurückrufen müssen. Eine einheitliche 
Idee muss das Ganze verbinden; das über die Zweitheilung, Drei- 
theilung und Fünftheilung Gesagte gilt dabei; doch brauche ich hier
        

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