Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181087
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Bilmlnerei 
Die 
Dargestellten entspricht, z. B. weissen, gelblichen Marmor für die Nach- 
bildung des weissen Menschen, namentlich des nackten Menschen. 
Ilauptsache freilich bleibt ihm die Fo1'm; wir wissen, dass mildes Weiss 
und Gelb am geeignetsten ist, jede Feinheit derselben erkennen zu 
lassen. Gesetzt, wir haben die Marmorstatue eines Kriegers vor uns, 
der Helm, Leibgurt und Beinschienen trägt und ein Schwert in der 
Hand halt." Wäre der Marmor gar zu durchsichtig, so würden die 
nackten Theile des Kriegers sehr weiehlieh erscheinen und wir würden 
bei ihnen eher an das zarte Fleisch eines Kindes oder einer Frau als 
an die festen Gliedmaassen eines abgchärtcten Mannes erinnert werden. 
Wenn wir nun gar an die Griechen denken und an deren durch die 
Sonnengluth gebräunte Hautfarbe, wenn wir uns erinnern, dass Weisse 
der Haut ihnen eine Schande dünkte für einen Mann, da es seine 
Weichlichkeit verrathe, so sehen wir, dass aus doppelten Gründen eine 
Behandlung des Marmors passend erscheint, welche die Durchsichtig- 
keit, wo sie störend Wirkt, aufhebt und durch den Farbenton besser 
zu dem Dargestellten stimmt. Heisst das nun gegen das Wesen der 
Plastik verstossen, wenn man zu diesem Zwecke geschmolzenes Wachs 
anwendet? Tritt man der Unschuld des Marmors oder der Form im 
Geringsten zu nahe, wenn man solche Störungen beseitigt? Wir wollen 
bei der Nahbetrachtung einer solchen Statue nicht stehen bleiben, 
sondern dieselbe nun in eine Entfernung bringen, wo das Erkennen der 
Einzelheiten schwierig wird. DieselbeHvird in den Giebel eines Tem- 
pels gesetzt. Die Farbe ist Nebensache, die Form Hauptsache. Das 
geben doch Alle zu. Aber wenn die Form Hauptsache ist, so muss 
die Farbe auch wirklich Nebensache sein und Alles, was verhindert, 
dass die Form nicht erkannt werden kann, muss beseitigt werden. Nun 
denke man die weisse Marmorstatue da oben vor einer weissen Marmor- 
wand stehend, wie es die Farbenfeinde haben wollen, kann denn das 
schärfste Auge  wir wollen den Griechen sehr scharfe Augen zu- 
gestehen, auch die grösste Durchsichtigkeit der Luft annehmen  
ohne Fernrohr oder Operngucker wirklich die Formen genau unter- 
scheiden? Wollen wir also nicht lieber die Farbe des Weiss, so un- 
schuldig es sein mag, opfern und den Hintergrund etwa blau an- 
streichen, damit wir die Hauptsache, die Form desto besser erkennen? 
Aber wenn dieses auch geschehen, so werden Helm und Beinschiencn 
doch recht schwer vom Körper zu unterscheiden sein, wenn sie ziem- 
lich eng anschliessen. Leicht wird die Schiene den Eindruck machen, 
als sähe man eine un estaltete Wade. Aehnlich unter Umständen der 
Helm, ähnlich der Schgurz. Soll man nun nicht der Form gerecht wer- 
den und die Farbe des Marmors opfern, indem man mit Farbe dem 
Augefür die Form zu Hülfe kommt? Verlangt dies nicht das Wesen 
der Blldnerei? Ist es also nicht vernünftig, Helm, Schurz, Schienen 
zu färben, was am schönsten durch Vergolden geschieht? Gerade so
        

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