Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181076
Farbige Behandlung. 
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für den Marmor. So z. B. ein "Isegrimm" York, der „alte Blücher", 
dann überhaupt harte männliche Formen, gegenüber der weicheren und 
der weiblichen Schönheit, für welche Marmor unübertrefflich ist.  
Dass die Thierbildung so gerne das Erz benutzt, ist, von der 
Stützkraft des Erzes abgesehen, auch aus dem Schalenformigen des 
Thierfelles zu erklären, das die meisten Thierformen zu umhüllen und 
abzuschliessen pflegt. Der Marmor sieht dagen nackt aus und so passt 
er weniger für die Fellträger, wohl aber ausgezeichnet für die helle, 
nicht in jener Weise verdeckende Haut des Menschen. 
Die edlen Steine sind zu klein; auch ihre allzugrosse Durchsichtig- 
keit wirkt störend. Manche Steinarten sind wegen ihrer Härte schwer 
zu bearbeiten; manche haben ungleiche Zusammensetzungen; andere 
verwittern zu leicht, einige springen beim Schlage oder bröckeln; 
wieder andere haben zu lichtraubende Farbe. Der Marmor gestattet 
die feinste Behandlung; hat er eine helle weissliche oder gelbliche 
Farbe, so eignet er sich vor allen andern, sonst ihm an Härte, Dauer- 
haftigkeit u. dgl. gleichzusetzenden Steinen für die Nachbildung des 
Menschen. Die besten "Marmor-Sorten zeigen einen milden, schwach 
gelblichen Ton; durch das krystallinische Gefüge entsteht eine Aehnlich- 
keit mit der porösen Haut, durch die schwache Durchsichtigkeit der 
Eindruck, als ob das Innere hindurchleuchte, so dass man ein leben- 
diges Hervorströmen zur ausseren Form wahrzunehmen glaubt. Diese 
Durchsichtigkeit darf allerdings nicht zu stark sein, ist auch nicht an 
allen Körpertheilchen oder allen Körpern gleich angebracht. Die zarte 
Hand einer Frau und die Hand eines Athleten, das Antlitz eines Mad- 
chens und eines greisen Kriegers sind unterschiedlich zu behandeln. 
Die Griechen haben durch Einlassen von Wachs übermassige oder 
unpassende Durchsichtigkeit zu verhindern gewusst. 
Wir können hier gleich die Frage wegen der Bemalung von Mar- 
morstatuen anschliessen. Bekanntlich hat man sehr lange Zeit jede 
Bemalung derselben verworfen und sich dabei stets auf die feinfühligen, 
geschmackvollen Griechen berufen, die den Realismus der Farbe ver- 
werfen und dem Idealismus in dem reinen unschuldigen Weiss des 
Marmors für die Bildnerei. gehuldigt hätten, während sich jetzt heraus- 
gestellt hat, dass sie sehr häufig Bemalung angewandt haben, ja die 
Streitfrage geht, 0b sie nicht vielleicht in den besten Zeiten der Sculptur 
alle Bildwerke bemalt haben. Suchen wir so ruhig als möglich uns 
in diesem Streite zurecht zu finden. Die Bildnerei will die Form ihres 
Objectes geben. Um sich dabei nicht zu schaden, hat sie auf die Farbe 
ihres Materials zu achten. Einen Kaucasier in schwarzem Marmor und 
einen Neger in carrarischem Marmor gebildet zu sehen, verstösst gegen 
unsere Anschauung. Solche Widersprüche sind also zu vermeiden, 
welche nichts nützen aber viel schaden. Der Bildhauer nimmt daher 
 gerne ein Material, welches im Allgemeinen auch in der Farbe dem
        

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