Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181042
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Bildncrci. 
Die 
Thon, Gyps, Wachs, Knochen, Holz, Metalle, Stein, das sind die 
am öftersten benutzten Stoffe für den Bildner. Der Thon ist im feuchten 
Zustande von der grössten Bildsamkeit; seine Feuchtigkeit hat dabei 
etwas Lebendiges. Er ist daher vortrefflich zum Modell. Er eignet 
sich zum Entwerfen, Verändern und macht dabei durch seine Lebendig- 
keit Eindruck. Aber er ist dunkel, lichtsehluckend; er kann schwierige 
Feinheiten weder gut zeigen noch recht bewahren. Getrocknet wird er 
spröde, rissig; die Formen schrumpfen zusammen und zwar ungleich- 
mässig zusammen; die grösseren Massen trocknen langsamer als die 
kleineren: so bleibt niemals die alte Form; die schöne Gestalt lässt 
sich nicht genau, sondern nur annähernd berechnen. Gebrannt hat er 
eine unendliche Dauerhaftigkeit, aber, von der Farbe ganz abgesehen, 
die man durch Nachhülfe aufbessern kann, eine solche Dauerhaftigkeit 
des Materials nützt doch dem Künstler Wenig, sobald die Schönheit 
darin nicht ausdrückbar ist. Der Thon wird nach dem Gesagten zu 
einer realistischen Behandlungsweise drängen, wo er für sich angewandt 
wird, und auch da, wo man ihn zu Formen z. B. für den Erzguss ge- 
braucht. Das Zufällige, Nebensachliche ist so leicht in ihm auszuprägcn; 
ein Druck des Fingers oder des Stabehens genügt, um Erhöhungen oder 
Vertiefungen hervor-zubringen, dass der Künstler sich diese Leichtigkeit 
schwerlich entgehen lasst. Dann passt er für harte, grosse Formen, die 
man trotz der ungünstigen Farbe wohl erkennt; für Feinheiten ist er, 
gebrannt, aus den angegebenen Gründen nichtrecht zu gebrauchen. Er 
sieht dann auch trocken, tmlebendig aus. Farbe muss dann nachhelfen. 
Der Gyps hat eine lichtfrohe Farbe, auf der alle Nüancirungen zu ge- 
wahren sind. Aber sein Weiss hat etwas Lebloses. Der Gyps bildet 
eine starre Schale; man sieht das Leben nicht von unten herauf pul- 
siren, wie man dies beim feuchten Thon, dann am-schönsten im Marmor 
zu gewahren glaubt. Der Trocknungsprocess schadet auch ihm, weil 
die ganz scharfe Bestimmtheit der Form dabei sehr schwer festzuhalten 
ist. Er dient bekanntlich zur Aushülfe für den Marmor; die Klarheit 
seiner weissen Farbe macht ihn dazu geeignet. Man sieht bei uns 
leider zu viele Gypsbildwerke und zu selten Marmorbildnereien. Es 
braucht der Nutzen der Abgüsse nicht hervorgehoben zu werden; nicht 
der kleinste Schaden aber, welcher der Plastik, von Anderem abge- 
sehen, daraus erwächst, ist der, dass man sich gewöhnt die Leblosig- 
keit der Gypswerke überhaupt auf die Plastik zu übertragen, und dass 
das Interesse für dieselbe dadurch in empfindlicher, nachhaltiger Weise 
abgestumpft wird. Man würde gleich frischer die Schönheit eines 
Marmorbildes empfinden können, wenn man zuvor keine oder wenige 
Gypsarbeiten gesehen hatte, als dies möglich ist, wenn das Auge durch 
"diese schon verdorben ist.  
Wachs ist ein leicht verändcrlieher Stoff; seineGlätte und Helle 
machen ihn für viele Bildungen sehr brauchbar. Er eignet sich sehr
        

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