Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1181033
Mzxterial 
für 
Bildnerei. 
die 
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Unvermögen sich dann in das WillkürlichFratzenhafte verläuft. Andere 
bleiben im Stoffe stecken; noch Andere überwinden wohl den Stoff, aber 
die Schönheit ist ihnen verschlossen; der kühnsten, aber unsinnigsten 
Phantastik muss ihre Bildnerei dienen. Aber in den von der Kunst 
erkorenen Völkern findet der Sohn des „tüchtigen Handarbeiters" 
(Eupalamos), "Künstler" genannt (Dädalos), dies Geheimniss der 
Kunst lebendig zu machen; in dem Volke der Hellenen am herrlichsten. 
Dort wird die Schönheit des Menschen in einer göttlichen Tiefe der 
Empfindungund mit einer Klarheit der Anschauung erfasst, dass unsere 
Augen wie getrübt dagegen erscheinen, unsere Empfindimg stumpf. 
Wenn je der Mensch einemldeale in seinen Schöpfungen nahe ge- 
kommen ist, so war es, Hellas, auf Deinem Boden, so haben es Deine 
bildenden Künstler gethan! Ihre Götter, ihre Menschen! Welche 
Götter! welche göttlichen Menschen! Wenn Schönheit das Göttliche 
ehrt, das darin erkannt wird, so ist es in Hellas verehrt worden. 
Aber ehe wir uns zu der Kunst selbst und ihren Zielen wenden, 
wollen wir das Material ins Auge fassen, in welchem sie schafft. 
Manches Verständniss wird aus solcher Betrachtung aufgehen. Wir 
werden die Gränzen ziemlich genau daraus erkennen, in denen sie sich 
bewegen kann. 
Ohne uns auf eine lange Erörterung einzulassen, wiederholen wir, 
dass der Künstler Dauerndes schaffen will. Wer nach dem Wahrhaft- 
Schönen strebt, der weiss, wie mühevoll solche Arbeit ist und welche 
Trauer es schafft, wenn das die Schönheit olfenbarende Werk nun 
schnell vergeht. Ein Spielwerk, nur dem Augenblicke geweiht, wird 
Alles erscheinen, was leicht vergänglich, noch schneller schwindet als 
die lebendige Gestalt. Es lebt ein Erhaltungstrieb im Künstler. Sein 
schönes Werk, das Kind seines Geistes, soll lange Zeit dauern, soll 
gleichsam nicht sterben. So wenig der Mensch sein Geschlecht aus-' 
sterben sehen mag, so ungern denkt der Künstler daran, dass seine 
Werke vernichtet- würden. Aber auch die Verkümmerung der Formen, 
die er schön geschaffen, ist schmerzlich. Was nützt das bequeme 
Material, das noch so leicht sich seiner Bildung fügt, wenn es die 
Schönheit nicht festhalten kann, indem es zusammenfällt, auseinander- 
quillt, reisst, kurz dieselbe zerstört. Aus einem solchen vergänglichen 
Werke kann nur kurzer Ruhm, dann aber nur Bedauern, ja Spott 
erwachsen. Und so versucht, prüft, entwirft, tändelt er wohl darin, 
aber in einem dauernden Material zu gestalten ist sein Wunsch. Auch 
aus Schnee kann man einen schönen Schneemann bilden, auch ein 
zuckernes Kunstwerk kann geschaffen werden; im nassen Thon 
"und in Wachs lassen sich die schönsten Formen ausdrücken, aber 
eine Arbeit in solchem Material kann für den Plastiker, der in Seinen 
Werken leben will, nichts anderes bedeuten, als ein Spiel oder eine 
Vorarbeit. 
        

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