Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177907
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Methoden. 
fallen zu lassen, Eine ltletaphjisik oder eine Religion des Schönen 
muss also den Anfang machen. Diese Methode war in der jüngsten 
Epoche der Aesthetik die gebräuchlichste und gilt auch noch bei Vielen 
als die einzig echt-philosophische. 
Wir werden sie hier nicht befolgen. Und zwar aus dem folgenden 
Grund nicht. Unsere höchsten Ideen sind gebildet aus einer Summe 
von Anschauungen und Begriffen, die wir als Stoff besitzen müssen, 
um durch die _Kraft unseres Geistes daraus die höheren Ideen und 
die höchste Idee zu bilden. Die höchste Idee ist ein Ergebniss  
eine Errungenschaft unseres zu ihrer Erkenntiiiss befähigten Geistes. 
Sie ist für ihn nicht der Ausgangspunkt, sondern das Ziel. Wir 
drehen uns also nur im Kreise, wenn wir von dieser höchsten Idee 
aus die Welt der Erscheinungen durchmessen, sobald wir beweisen 
sollen, dass jene Idee nun wirklich die höchste und richtig erfasste ist. 
Wir müssen alsdann nämlich die Erscheinungen und niederen Begriffe 
zurück durchwandern, um bei jener Spitze wieder anzukommen. Diese 
Methode empfiehlt sich daher nur, wo eine Schule besteht, in der die 
Ausgangssatze als fest bewiesen angenommen werden, wenngleich ihre 
Richtigkeit nicht im Augenblick in die Augen springt. So stellt z. B. 
die Hegelsche Schule die absolute Idee als den Urquell auf; so sagen 
Theologen und thcosophische Aesthetiker: Gott ist die Schönheit. 
Da wir hier nun aber keine Schule haben, worin man auf die 
Worte des Meisters schwört, sondern wir besclieideiitlich das Gebiet 
der Aestlietik durchwanderii wollen, ohne uns gleich zu Anfang durch 
den Streit über die wahre höchste Idee, über Metaphysik, Deismus, 
Theismus, Pantheismus, Materialismus, Nihilismus u. s. w. hindurch- 
zuschlagen  lauter schwierige und verwickelte Fragen, wie man 
nach der Erbitterung und Dauer des Kampfes wohl zu eben wird  
so wollen wir lieber diese zweite Methode bei Seite liegen lassen und 
einen Weg betreten, der einen weniger stolzen Ausgangspunkt nimmt, 
dafür aber etwas sicherer erscheint. Wen er unphilosophischer.dünkt, 
der mag mit Aristoteles darüber rechten, dasscr von den Erschei- 
nungen zu den Ideen aufzusteigen gelehrt hat und mag sich immerhin 
mit Platon in der Welt als in einer Höhle betrachten, in der man nur 
die Schatten der wahren Dinge, das ist der Ideen, nicht aber die 
wahren Dinge selbst, gewahrt. 
Indem wir nicht mit der Lehre von den höchsten Ideen oder der 
höchsten Idee beginnen, sondern uns einfach an die Erscheinungen 
lfaltenä vermeiden wir uocli eine andere Streitfrage. Und zwar die 
uber die Berechtigung der Aesthetik tiberhaupt, soweit sie nicht eine 
blosse Ideenlehre ist. Wir haben es (lann mit keinem „Abfall von der 
Iflee" zu thull, um das Vorhandensein der wirklichen IRIelt, in der 
1110m Alles schön ist, zu erklären. Wir brauchen uns nicht um die 
8611011 Oben angeführte und oft wiederholte Behauptung Platos zu
        

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