Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180837
binden sind, wie unsere Zeit mit ihren Eisenspannungen wieder Roms 
Wölbnngen hinter sich lasst; unsere Zeit,.die mit ihren Fesseln über 
Welttheile hinüber ein Indien mit England zu verbinden weiss. Dann 
schuf die Wölbung der Kuppel aber eine ganz andere Beherrschung 
des Gebäudes, als es der griechische Tempel vermoeht hatte. Aber der 
krystallinische Bau ist damit gesprengt; der Stein selber ist durch die 
Kunst frei geworden. 
Im Einzelnen freilich haben die Römer die Griechen in keiner 
Weise erreicht. In ihren Säulen und Ornamenten, überhaupt in den 
Detailbehandlungen sind sie von den Hellenen abhängig geblieben. 
Grösse und Pracht hat die vollendete Schönheit ersetzen sollen. Perikles 
und Cäsar, Alcibiades und Nero, Socrates und Cato, Demosthenes und 
Graechus,  wie die Tausende, welche die Einen bewegten, zu den 
Millionen sich verhalten, um welche es sich bei den Anderen handelte, 
so verhalten sich überhaupt Griechenland und Rom in allen den Staat 
betreffenden Dingen. Die Architeetur aber ist die Kunst, die am meisten 
mit dem Staate zusammenhängt. Die griechischen und römischen Bau-. 
werke können jenen ähnlich verglichen werden. Jene sind schöner in 
ihrer Art, ja vollkommen, diese gewaltiger, oft colossal. Ureigen hat 
sich Rom entwickelt. Nur den Schmuck, die Politur hat es später von 
Griechenland angenommen. So könnten wir auch in der Architectur 
die griechischen Einflüsse bezeichnen, die ebenfalls nur auf der Ober- 
fläche geblieben sind. 
Zu seinen Gewölben, Kuppeln nahm Rom griechischen Schmuck, 
iramentlich die belebende griechische Säule herüber. Aus deren ver- 
schiedenen Ordnungen wahlte es die korinthische, sei es nur der 
Pracht wegen oder weil die dem Kapital zu Grunde liegende Würfel- 
form, der Steinstil derselben, für den Steinbau am gemassesten erachtet 
ward. Häufig wusste man aber mit solchem Schmuck nichts anderes 
anzufangen, als ihn äusserlich aufzulegen. Nicht als ob die Verbindung 
des Gewölbe- und Säulenbaues ungeeignet Ware, um ein organisches 
Ganzes hervorzubringen,  es handelt sich hier nur um Werke, wo 
man grosse Massen dadurch zu beleben suchte, dass man ihnen Säulen 
verklebte, die nichts zu tragen hatten, derentwegen man das Stein- 
gebalke dann so schwer und ausladend machte, dass die Säule doch 
darunter wenigstens als nützlich erschien. Setzte man dann auch 
Figuren auf diese Vorsprünge, so konnten doch alle diese geschalte- 
nen Zwecke den Säulen nicht die wahre Berechtigung gewähren, welche 
bei denselben in derRaum-ötfnenden Eigenschaft liegt. Die schöne Einfach- 
heit fehlte dabei. An anderen Bauten aber ward der Gewölbstil in einer 
grossartigen Einfachheit behandelt und durch die blosse Betonung der 
Construction der gewaltigste und erfreuendste Eindruck hervorgebracht. 
Was die römischenBo en, Gewölbe und Kuppeln anbelangt, so spricht 
daraus die Ruhe und Siclilierheit des antiken Geistes. Es sind Halb-
        

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