Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180750
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ÖUÖ 
Beim Steinbau musste man die Säulen eng aneinander rücken, da- 
mit sie die steinernen Verbindungsbalken und diese sich selbst tragen 
können. Hierauf kamen die Querbalken (h) zu liegen. Die ursprüng- 
lichen Holzbalken waren wahrscheinlich gegen das Reissen und Spalten 
des Holzes dadurch geschützt, dass man das Kopfende furchte, ein, 
wie auch das Bohren, oft angewandtes Mittel. Aus diesen Furchungcn 
des Holzes entstanden  für den Steinbau die Dreischlitze, Triglyphen. 
Ob wir in den sogenannten Tropfen nur eine ästhetische Ueberleitung 
in den Architrav haben oder ob man darin ein Einzapfen und Verzieren 
des Holzbalkens vermuthen könnte? Bei dem früheren Bau, wie wir ihn 
indem ältesten Hanse sahen, vermuthetexi wir Licht und Luftlöcher 
unter dem Dach. Man behielt diese auch bei den Säulenhallen bei. Sie 
sind die sogenannten Metopen  Diese waren ursprünglich offen; dann 
hat man zur Verzierung Gefässe und dergleichen hineingestellt, die den 
dunklen Raum belebten. Als man das Licht durch das offene Dach des 
grossen Tempels hineinfallen lassen musste, weil man in der alten Art 
die grossen Räume nicht mehr erhellen konnte, zumal wenn jene Me- 
topen über Vorhallen sich befanden, so schloss man sie ebenfalls mit 
Steinplatten, die nun aber durch Reliefs oder wohl durch Malerei belebt 
Wurden. Hierüber kam nun die Abschlussplatte  Worauf das Dach 
sich, in der Front als Giebel, erhebt. Beim Holzbau werden Gitterwerk, 
Schnitzerei oder Malerei diesen Giebel ausgefüllt haben. Beim Steinbau 
durfte man ihn nicht blos vermauern, wenn man nicht den Eindruck 
einer ungeheuren Belastung machen wollte. Man vermied diese Schwefe 
durch Bemalung oder noch besser durch Sculpturen. Dadurch ward der" 
Giebel belebt, die Schwere und Einförmigkeit des grossen Mauerdreieeks 
aufgehoben. Was die Bemalung anbelangt, so verlangten die Metopen 
und der Giebel, worauf die Reliefs und Statuen sich abheben, Hinter- 
grund, am naturgemassesten durch blaue Luftfarbe. Die Triglyphen mit 
röthlicher Holzfarbe zu schmücken lag vom Holzbau her nahe. Es 
Wären dies die nächstliegenden Farben; dass man naturalistisch wirk- 
lich immer diese Farben wählte, soll hier nicht behauptet werden. Auch 
Sonstige Bemalung hat die übrigen Theile geziert und. zum belebenden 
Schmuck gedient. Auf dem Dache des Gebäudes, das kräftig durch die 
Rinnleiste, Sima genannt, abgeschlossen war, erhoben sich über dem 
First und den Ecken nach oben auslaufende Verzierungen; blumenförmig 
oder in Thierformen weisen- sie von den abschliessenden geraden Dach- 
linien in die Luft. (Vergl. Fig- 13-) 
Hätte man ein grosses Gebäude mit Stein überdachen wollen, so 
Wäre man genöthigt gewesen, einen Saulenwald, wie die Aegypter in 
ähnlichen Fällen, zu errichten. Bei den Tempeln, deren Metopen man 
durch Saulenumgange obendrein zu Lichtöifnungen untauglich gemacht 
hatte, sah man sich zu anderen Aushülfen genöthigt, um Licht zu be- 
kommen und die übermässige Anzahl von Säulenträgern im Innern zu
        

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