Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180712
JIJOYÜOUGIL 
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ruhigendstcn Form für die absolute Befriedigung der Anschauung, aus 
dem Quadrat, Viollet-le-Duc aus dem Dreieck, als der Figur, welche 
das Gesetz der Stabilität am vollkommensten ausspricht. Doch ist 
dafür auf die betreffenden Werke zu verweisen. Hier nur noch aus 
Fergusson (Handbuch der Architectur) ein allgemeiner Satz zur der- 
artigen Anregung, ein Versuch, die Höhe eines Raums bei gegebener 
Lange und Breite zu bestimmen, dass die Höhe nicht gedrückt er- 
scheine. Die Höhc eines Raums muss sein gleich der halben Weite 
plus Quadratwurzel der Länge. Also bei 20 Fuss Breite und 20 Fuss 
Lange: 10 Jr 156; die VE liegt zwischen 4 und 5; also 14 bis 
15 Fuss. 20 Fuss zu 40 Fuss giebt 10 4- 6 bis 7; 20 Fuss zu 
100 Fuss r- IO-l- 10:20 Fuss Höhe. So Fergussons Anführung, 
welche übrigens nicht den Anspruch einer Regel macht. 
Wechsel, Contrast, Ueberleitnng und Vermittlung u. s. w. werden 
sich am besten bei dem Einzelnen der folgenden Uebersicht nachweisen 
lassen. 
Die Architectur hat es mit der Schönheit der unorganischen Natur 
zu thun. Das bei den sogenannten technischen Künsten Gesagte findet 
auch hier wieder seine Geltung. Nachbildung organischer Formen für 
die Architectur ist abgeschmackt, hässlich, komisch u. s. w., nie schön; 
die Form eines Baums, Elephanten, Menschen u. s. w. ist für ein Ge- 
bäude nicht tauglich. Die mathematisch bestimmten Formen sind ihr 
Ausdruck. Doch kann die Architectui- nun zum Schmuck in gewisser 
Weise auch organische Formen verwenden; wo dieselben aber nicht als 
selbständige Zuthaten erscheinen, so dass sie dann als freie plastische 
oder malerische Werke zu beurtheilen sind, sind alle Formen dem 
strengen architectonischen Stil unterworfen und demgemäss zu stilisiren. 
Der Regel nach wird das Ornament rein geometrische Formen zeigen; 
doch wie wir früher ähnlich gesehen haben, wird man etwa nächst: 
höhere Formen der Natur zum Schmuck verwenden können, z. B. die 
Vegetation heranziehen, indem man ihr Blattwerk u. s. W. bildet 
(korinthische Säule etc). Es wird dies eine plastische Zuthat, in 
manchem Betracht eine Steigerung, die über das Architectonische 
hinausweist und daher besonders dem reizenden Stil angehört. Stets 
muss dieselbe aber der mathematischen Bestimmtheit unterworfen, 
architectonisch stilisirt werden, weshalb schon von Anfang an die ent- 
sprechenden Formen zu wählen sind (Akanthusblatt, sonstiges Laub- 
werk, Kränze u. s.  Auch Thierformen sind in dieser Weise, 
namentlich symbolisch, zu verwenden; selbst die menschlische Form 
kann z. B. als Karyatiden, als Träger gebraucht werden. Ein Anderes 
ist es natürlich, wo Plastik und Malerei selbständig auftreten und die 
Architectur nur zum Rahmen, zur Grundlage oder zuuUmgebuiig benutzt 
wird.
        

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