Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180625
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Die 
Baukunst. 
auf die Schönheit der Raumbildilng sehen und dieselbe auch nach Aussen 
zum classischen Ausdruck bringen, weil er eine solche feststehende Com- 
position fortwährend durchzustndiren vermag, bis er den schönsten 
Ausdruck gefunden hat. Es geht damit ähnlich, wie im Drama: ge- 
gebener Stoif und feststehende Gliederung, wie z. B. bei den meisten 
griechischen Tragödien; andrerseits die willkürliche Erfindung und 
Zusammensetzung eines Stoffes. Wodie vollendete Durchführung am 
leichtesten, ist nicht schwer zu erkennen. 
 Wir haben bisher das eiustöckige Haus genommen, gegliedert 
nach Aussen durch Fundament, Wand, Dach. Nehmen wir ein mehr- 
stöekiges. Fundament, Dach bleibt. Die Wand wird den Ausdruck 
des Innern geben können, also nun den Stockwerken gemäss getheilt 
werden. Andernfalls ist sie ausdruckslos. Ein fünfstöckiges Ma- 
gazin sei angenommen. Macht dasselbe den Eindruck des Festen, 
Wohl-Schützenden, so ist einer Hauptbedingung Genüge gethan. Auf 
Schmuck macht es keinen Anspruch. Die Abschlüsse wollen wir se- 
hen: also Fundament, Dachgesimsoder Dach. Die Oelfnungen für 
Luft und Licht werden nur als Maueröffnungen, Luken betrachtet; in 
diesem Falle wird der Baumeister sie kaum auszeichnen (obwohl der 
einfachste Fenstersturz, die einfachste Umrahmung von der grössten 
ästhetischen Bedeutung ist); wird die ganze Wand einheitlich behan- 
delt, so haben wir dann die gewöhnlichste Nutzbau-WVand mit ge- 
schützten Löchern darin. Sobald die Bodenräume des Magazins aber 
ihren Ausdruck auf der Mauer finden, sobald beginnt ein ästhetischer 
Sinn daran sich zu zeigen. 
Bei ganz gleichen Verhältnissen wird ein solcher Bau durch Be- 
tonung und Auszeichnung der Fenster als der Oeifnungen für mensch- 
liche Wohnungen sich schon bedeutend verändern. Gleichtheilung der 
Stockwerke wird leicht zwangsmässig erscheinen, besonders wo deren 
viele sind. Besseren Eindruck machen ungleiche (aber ansprechende) 
Verhältnisse. 
Das Hauptstockwerk, in Welchem sich das Wohnen am herr- 
lichsten ausspricht, wäre äusserlich durch Höhe, dann auch durch 
Schmuck auszuzeichnen. Gewöhnlich fällt dies dem ersten Stockwerk 
zu, welches gleichsam über die Strasse und das Bedürfniss des dar- 
auf verkehrenden Lebens hinweghebt und doch nicht durch die Höhe 
des Treppensteigens allzu unbequem ist. Sind mehrere Stockwerke 
da, so wird das Erdgeschoss noch zum Fundamente gezogen werden 
können. Massig, stark  leichter als das Fundament aber schwerer 
als die darüber sich aufbauenden Wände  wird es Sicherheit und 
Kraft ausdrücken. Der Quaderbau oder die Andeutung desselben 
wird ihm zukommen oder bei anderen Bauten die sonstigen Ausdrücke 
der Festigkeit. Darüber nehmen wir das Hauptgeschoss an. Hoch, 
schlank in edeln Verhältnissen, die gleich weit von Sehwächlich-
        

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