Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180618
Gliederung. 
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Sonnenstrahlen die Beschäftigungen des Tages verrichten kann. Ein 
sehr weit überstehendes Dach oder die Vorhalle stützt man dann am 
leichtesten durch Pfeiler oder Säulen. 
[So bei dem alten Gotteshause der Griechen 
il-W und der Etrusker (Fig. 9.) Giebt man allen 
ä s g  Seiten des Gebäudes einen solchen Umgang und 
   i zwar mit Saulenstellungen, so entsteht ein so- 
  genannter Peripteros] Was die Fronte eines 
  solchen Gebäudes betrifft, so ist leicht einzu- 
  sehen, dass die grössere Mannigfaltigkeit durch 
  ' den Giebelbau erreicht wird. Ein rechteckiges 
  Haus mit einem dreieckigen Dach zeigt in 
  seinen .Giebelseiten die grdassere Mannigfaltig- 
  i keit; zu den horizontalen und verticalen Linien 
 kommen die schrägen Schenkel des Dachdrei- 
ecks, die zugleich die senkrechten Wände fest 
ä QÄÄ zusamnienzuhalten scheinen. Bei den Seiten- 
 ansicliten hat man die Horizontalen des Funda- 
Fig,9_ ments der Wand und des Dachs; dieser 
Parallelismus ist eintöniger. Die Giebelfronte 
des griechischen Tempels und der Bauten des Mittelalters hat also 
die grösste ästhetische Berechtigung. 
Welchen schönen Bau die Kunst aus einem solchen einfachen 
R im entwickeln kann werden wir bei der Betrachtun der Stile sehen. 
a1 Nehmen wir einen zusaminengesetzteren. g  
Es sollen mehrere Raume innerhalb einer Behausung nöthig 
sein. Nehme man    lälüclieir, Aiäfbewghäingsq 
Treppen-Räume un erg  so ian e es sici (arnm, iese äunie 
am zweckinässigsten aus dem Grundraume aufzutheilen. Man bedenke 
nur, wie oft 8 Dinge verschieden neben einander geisetzt (pliirmutgt) 
werden können welche richtige Combiiiationskraft azu ge ört, ie 
passendste, beqiiemste Raumordnung herauszufinden. Ist die Anzahl 
von Räumen sehr bedeutend, so reicht das Versuchen im Entwurf gar 
nicht mehr aus, sondern nur Begabung, gleichsam Instinct vermag das 
Richtige zu finden. Wir achten gewöhnlich auf diese Schwierigkeit 
nicht so sehr, weil die Zeit meistens eine bestimmte Praxis lieraiis- 
gebildet hat welche dieses Raumtheilen vereinfacht. Am einfachsten 
wird dasselbe, wenn die Versuche der Jahrhunderte zu einem fest- 
stehenden Endresultat gekommen sind uiid eine bestimmte Theilung 
angenommen ward. So z. B. bei echten Bauernhäusern (das sächsische, 
anglische, oberbairische Bauernhaus u. s. Wz), in den meisten Bürger- 
häusern des Mittelalters, beim Klrchenbau u. s. f.  in Jedem derartig 
festen Stil. In solchem Falle, wo die Zweckmassigkeit der Theilung 
keine Schwierigkeit macht, kann der Kunstler um so freier walten, 
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