Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180608
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Die 
Baukunst. 
klarsten Schmuck geben; diese Hervorhebung und zugleich Verbindung 
geschieht etwa durch einen Wulst oder Gurt, der das Fundament mit 
der Wand verbindet  gleichsam ein Gurt auf einem Gurt, indem das 
Fundament selber diese Function zwischen Erdboden und Haus erfüllt 
 und durch einen ähnlichen Gurt gegen das Dach, wenn dieses nicht 
vorspringend ist, durch Stützen bei einem überhängenden Dache, die 
in geeigneter Weise die Ueberleitung von der senkrechten Wandtläche 
zu der Schrägen des Daches bilden. 
So wäre die Höhe nach ihren wesentlichen Theilen gegliedert.  
Was die Breite betrifft, so ergiebt sich hier keine Gliederung nach 
den Hauptbestandtheilen. Aber der Eingang zum Hause, die Thür oder 
das Thor, wird sich uns sogleich bieten. Sobald wir die Thür in die 
Mitte des Hauses setzen, bekommen wir eine Dreitheilung  eine 
Mittelparthie und zwei symmetrische Seiten. Der offene Raum der 
Thür, dann namentlich die Bedeckung derselben, die das ganze darüber 
ruhende Gewicht der Wand zu tragen hat, ist auszuzeichnen. Ein 
festerer, stärkererBau der Thürpfosten, welche saulen- oder pfeilergleich 
die darüberliegende Last tragen, geschlossen durch einen Bogen oder 
durch einen starken Holz- oder Steinbalken, oder auch ein einfacher 
Gurt, der die Wand gegen die Oeffnung zusammenzufassen und zu 
halten scheint, so wird sich je nach grösserer oder geringerer Wucht 
der Wandmasse die ästhetische Auszeichnung mit der Zweckmassigkeit 
verbinden. Will man ausser der Thür noch Luft- und Lichtlöcher an- 
bringen, so kann dies in der verschiedensten Weise geschehen. Wem es 
es auf das Herausschauen aus dem Hause nicht ankommt und wer keinen 
Sonnenschein in dem Gemach zu haben wünscht, kann sie z. B. un- 
mittelbar unter dem Dache anbringen, wobei auch noch der auf- 
steigende Rauch vom Heerde des Hauses den geeignetsten Ausweg 
findet. Will man hinausschauen und zugleich der Sonne grösseren Ein- 
gang verschaffen, so-setzt man die Oeiinungen tiefer und macht sie 
grösser. Sie heissen dann Fenster. Der ordnende Sinn wird dieselben 
von der Ilauptöifnung des Hauses, von der Thür aus, bestimmen. 
Jener oben beschriebene Bau  vierseitig, mit Fundament, Wand, 
Dach, die Thür in der Mitte, Luft- und Lichtlöcher am Dach  ist 
nicht ein Phantasiehäuschen sondern der griechische Tempel, in welchem 
wohl das alte griechische Wohngebäude sich erhalten hat. Ein solches 
Haus wird kühl und dunkel sein, sich also hauptsächlich für südliche 
Gegenden eignen. Auf die Erschwerung des Hineinsteigens bei der 
Höhe der Luftöifnungen will ich nur hinweisen. Freilich ist es für 
keine Arbeit passend, die viel Licht erfordert. Licht und doch Schutz 
zu gewinnen, ohne die Kühle und das Schattige des inneren Raumes zu 
opfern, dazu ist am dienlichsten, einen offenen Raum zwischen den 
Wänden vor der Thür zu lassen oder das Dach weit überstehend zu 
bauen, so dass man in seinem Schutz vor Regen und den heissesten
        

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