Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180589
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Die 
Baukunst. 
Aber der erfinderische Mensch blieb bei solchen Aushülfen für den 
Steinban nicht stehen, den er wegen der Festigkeit, Sicherheit vor 
Feuer n. s. W. besonders gern anwandte. Er lernte mit Steinen einen 
Raum überdecken, indem er dieselben überkragte, das heisst die Steine 
der höheren Schichte stets um etwas über die unteren Schichten vor- 
stehen liess, bis die Reihen gegeneinander stiessen. (Fig. 7.) 
Alle Schwierigkeiten jedoch waren gehoben, als man den Gewölbe- 
bau erfand. (Fig. 8.) Bei diesem werden keilförmig zulaufende Steine 
in Bogenstellung an einander geschoben. Da der innere Kreisbogen, 
den die Spitze der Keile bilden, kleiner ist, als der äussere, von den 
breiteren Köpfen gebildete, so können die Steine nicht durchfallen, 
können sich auch nicht hinausschieben, sobald sie an den Seiten und 
von oben genügendes Widerlager und Belastung haben. 
Nehmen wir eine Mauer von Stein. Der einzelne Stein giebt keinen 
Bau, nur mehrere zusammen. Um den wohlgefalligsten Eindruck zu 
machen, muss jeder Stein, den man zusammengesetzt mit anderen er- 
blickt, agebildet" sein, d. h. als krystallinisches Gebilde will man ihn 
in einer krystallinisch scharfen Form sehen. Diese Einzelbildungen 
werden zu einem Ganzen, einer Mauer fest zusammengefügt. Das 
Ganze muss eine mathematisch genaue Form zeigen in schönen Ver- 
hältnissen. Gesetzt, diese zeige die Gestalt eines regelmässigen Vier- 
ecks. Ist dasselbe gross, so ist möglich, dass die Einheit des Ganzen 
den Eindruck der Vielheit in den Steinen gänzlich erdrückt; ich be- 
komme dann das Gefühl des Einförmigen und muss danach streben, 
dieses durch richtige Vielheit, also etwa durch Gliederung aufzuheben. 
Dazu bieten sich die Abschlüsse des Bauwerks dar. Ich gebe ihm z. B. 
eine horizontale Dreitheilüng (siehe allgemeinen Theil), ein Unten, eine 
Mitte, ein Oben. Unten drücke ich die Verbindung mit dem Boden aus, 
oben schliesse ich die Mauer ab. Beides etwa durch eine Vorlage von 
Steinen. Aber die Linien der Horizontalen sind mir zu starr, nicht 
wechselnd genug. Ich kann die Verticale zur Belebung starker hervor- 
treten lassen, indem ich z. B. die Mauer oben zinnenförmig baue. Auch
        

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