Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180570
Die 
einfachsten Formen. 
287 
zu erweitern oder bequemer zu machen. Während Nomade und Wald- 
bewohner ein scharf aufsteigendes Dach auf die Erde stellen, kümmert 
er sich um die Bedachung als solche gar nicht, da diese ja der ge- 
wachsene Fels giebt. Sein Werk wird-im Gegensatz zu dem Jener 
ein Innenbau. Ob der Felsen über seiner Höhle Bach ist oder schräg 
ansteigend oder geurölbt, ist ihm gleichgültig.  Wir bekommen da- 
durch die Zeltdach-, die hohe Langdach-, die Kuppeldachbildung und 
die Wohnung ohne Dach, entsprechend der holzarmen Steppe des 
Nomaden, dem Waldlande, der waldlosen, auf Ackerbau angewiesenen 
Gegend und dem höhlenreichen Gebirge. 
Wo eine Menge Bruchsteine sich finden oder Holz, das man mit 
der Axt und Säge bearbeiten gelernt hat, da wird man früh den Nach- 
theil, den jede dreieckige Form für die Bequemlichkeit des Menschen 
hat, zu tilgen bestrebt gewesen sein. Man hat gradaufstcigende Wände 
errichtet, passend für die Bewegung des aufgerichteten Menschen und 
hat dann das Dach darüber gesetzt. Dasselbe ist dort geschehen, wo 
man die zähe Erde zu Massen formen lernte und sie getrocknet oder 
gebrannt als Material benutzte. Die Wände werden aus Steinen allein 
gebildet oder aus Baumstämmen zusammengebloclzt oder nur das Gerüst 
wird von Holz erbaut, die Zwischenräume aber durch Rohr, Lehm, 
Steine u. dergl. geschlossen. Auf nassem Grunde finden wir dabei schon 
in den frühesten Zeiten die Wohnung durch Steine oder Erdaufwurf oder 
durch einen Pfahlrost über den Boden gehoben. 
Hatte man bei Steinbau Wände aufgeführt, so handelte es sich darum, 
dieselben zu bedecken. Steine brechen selten in grossen Platten. Zum 
Ueberspannungsmaterial eignen sie sich daher nicht besonders. Denn 
selbst da, wo sie grosse Deektlächen abgeben könnten, verlangen sie, 
um nicht durch ihr eigenes Gewicht in der Mitte durehzubrechen, solche 
Stärke, dass nur viele Menschenkräfte die dicken grossen Platten auf 
die Wände heben können. Man denke nur an eine Weite von 10 Fuss, 
welelf ein Gewicht sich dabei durch die erforderliche Dicke des Steins 
herausstellt. Diesem Uebelstand abzuhelfen ist man also genöthigt, in 
dem Raum innerhalb der Wände Stützen für die Steinplatten herzu- 
stellen, d. h. Pfeiler oder Säulen zu errichten, die auf kleinere Distanzen 
als Träger für die nun kürzer zu brechenden Platten dienen. Leichter 
freilich war es, den Holzbau mit dem Steinbau zu verbinden; War nicht 
viel starkes Holz vorhanden, so blieb immer noch Schinalheit der 
Räume vernothwendigt, wie denn z. B. die Säle und Zimmer in den 
Palästen von Nimrud durch ihre geringe Breite bei grosser Länge 
Gängen und Corridoren ähnlich sehen. Mit langen, starken Balken 
konnte man bedeutende Räume überspannen, namentlich wenn man 
auch hier einen Pfeiler oder eine Holzsäule dazwischen stellte. Ganz 
natürlich war es dann auch, ein Holzdach über den Wänden zu er- 
richten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.