Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180499
Modemacher! Vom Kaiser und der Kaiserin bis zum Hausknecht und 
Dienstmädchen beugt sich Alles und macht das unsinnige Zeug nach; 
von Vernunft dabei keine Rede; Gesundheit, Scham werden nach eini- 
gem St-rauben auf's leichteste geopfert; der Geschmack?  der Ge- 
schmack findet Schnabelschuhe, halb nacktes, sogenanntes griechisches 
Oostüm und Reifröcke, das Aussehen einer Schwangeren und einer 
Hottentotten-Schönheit, Knieröcke, Schleppen, Frack, Sackrock wunder- 
schön. Ein Wunder, dass unter den Männern noch kein Bilckelrücken 
Mode gewesen ist, wie bei Jungfrauen andere Körpertheile hervorzu- 
heben nach Vorgang regierender Damen Mode geworden ist. Es scheint, 
als 0b die Mode die Thorheit an unserer so vernünftig seinwollenden 
Zeit rächte, der sie jeden Augenblick ins Gesicht zeigt, wie albern sie 
trotz ihrer Weisheit ist, und wie thöricht sie, die über Thorheit zu 
lachen sich zu klug dünkt. 
Künstliche Gewebe entsprechen den Anforderungen der Bekleidung 
am besten. Die Natur ist darin aufgehoben; die Vergleichung fehlt, die 
den Menschen drücken könnte. Eine vollständige Bekleidung aus Thier- 
pelzen wird die menschliche Figur stets thierisch erscheinen lassen. 
Die Sitte, den Pelz nur als Schmuck und Schutz an den Oeffnungen des 
Gewandes zu zeigen, ist darum wohl begründet. Als Hauptbedeckung 
ist Pelz schon durch das Haar indicirt; das unorganische Haar verträgt 
überhaupt Naturbekleidungen besser als die Haut; ein Strohhut ist 
passend, eine Strohwcste nicht. 
Nachahmungen von Thierforlnen in der Bekleidung sind hässlich- 
furchtbar oder komisch. Als furchtbarer Schmuck sind die aus Thier- 
köpfen oder ihnen nachgcbildete Helme zu nennen, durch welche die 
Starke und Wuth des Thieres auf den Menschen übertragen gezeigt 
wird. 'I'hiertheile, wie Flügel, Federn, Schwänze, Hauer, Krallen als 
Schmuck an die Kleidung zu heften, hat nur einen Sinn, wenn sie die 
Geschicklichkeit ihres Trägers verdeutlichen oder sonst ein Bezug statt- 
findet. Falken und Spielhahnfedern, Gamsbart und Reihergetlock zieren 
den Jäger, der sie erlegt hat; sie erzählen uns, dass wir da einen guten 
Schützen, einen listigen Beschleicher, einen kühnen Bergsteiger vor uns 
sehen. Weiche wallende Schmuckfedern stehen gut, auf den Hüten zu 
tragen, indem dieselben auf ähnliche Weise wie das Haar mit der Luft 
vermitteln; wenn die Damen jedoch ganze Naturfiügel aufstecken oder 
gar ausgestopfte Vögel sich in's Haar setzen, so ist das  Mode. 
Wenigstens müssten dann regelrecht je nach Umständen Papageien, 
Elsternfittige und womöglich Pfauenschwanze aufgesteckt werden, um 
den Anforderungen der Symbolik zu genügen.
        

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