Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180439
mstgewverbe. 
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bei der Verarbeitung dieses StolTes alles vermeiden, welches den vorhin 
erwähnten köstlichen Eigenschaften desselben entgegen ist, oder auch 
nur sie minder wirksam und dem Auge bemerkbar hervortreten lässt, 
vielmehr soll man, wo es angeht, in der Behandlungsweise nach Mitteln 
suchen, die genannten Eigenschaften entweder factisch oder auch nur 
dem sinnlichen Eindrücke nach zu unterstützen. S0 soll man die rauhen 
Oberllächen der Linnenzeuge vermeiden, weil gekörnte oder faserigte 
Oberflächen das angenehme Gefühl der Frische, Welches dem Leinen- 
Zeug eigen ist, Stören, Weil zugleich die Eigenschaft der Nichtempfäng- 
lichkeit des Linnens gegen Schmutz und färbende Steife dadurch zum 
Theil aufgehoben wird. Der kühlen glatten Obcitläche soll zugleich 
ein kühles Princip der Färbung entsprechen; man soll daher das milde 
Weiss des gebleichtem Flachses, welches die kühlste unter allen Farben 
ist, vorherrschend benützen, in allen Fallen, wenigstens in denen, wo 
die Frische des Zeuges der anderen Eigenschaft desselben (nämlich 
seiner geringen Empfänglichkeit, den Staub und den Schmutz aufzuneh- 
men) voranzustellen ist. Wo aber Rücksichtnahme auf letztere Eigen- 
schaft vorgeschrieben ist (wie z. B. bei gröberen Gewändern, Tisch- 
bekleidungen, Arbeitskitteln u. (lrgL), dort soll man dem Stoffe seine 
Naturfarbe lassen oder ihn nach einem Systeme der Polychromie färben, 
wobei die negativen (kalten) Farben die vorherrschenden sind; denn 
diese werden den Eindruck der Kühle am besten wiedergeben und bieten 
sich auch für die Flachsfärberei am bequemsten dar. Zu allen Zeiten 
war das Blau (Indigo) die beliebteste Farbe tiir Linnenzeuge, das sich 
auch an einigen noch erhaltenen sehr _alten ägyptischen Linnentüchern 
findet. Was immer für Farben man für Linnen anwenden will, sie 
müssen stets einen Stich in das Kalte erhalten. So z. B. ist das reine 
Orangegelb und sind alle heissen Töne, die auf die Farbenscala jenseit 
des Kirschroth fallen, auf Linnen kaum statthaft, es sei denn, dass sie 
durch Beimischung von Blau gebrochen werden .   
Von der Baumwolle sagt Semper, dass sie zugleich dem Flachse 
und der Wolle verwandt ist, aber die Eigenschaften beider gewisser- 
maassen nur nachätft. Sie liesse daher die mannigfachsten Behand- 
lungsweisen zu. Die Tugend der Baumwolle liege in der Mattheit der 
Oberfläche. 
Die Wolle nennt er, selbst die Seide nicht ausgenommen, den 
schönsten Faserstoff. Sie sei daher auch (lerjenige, dessen Stil der 
reichste und satteste. „Das feine gekräuselte Haar der Schaafe giebt 
.ein weiches lockeres Gewebe, das als schlechtester Wärmeleiter vor- 
züglich geeignet ist, sowohl in der Kälte die innere Wärme zurück-, wie 
in der Hitze die äussere abzuhalten. Dabei ist das speeiüsche Gewicht 
der Wolle geringer als das jedes anderen Faser-steifes (nämlich nur 
1,260), wodurch die aus ihm gewonnenen Zeuge noch ausserdem den 
Vorzug grosser Leichtigkeit gewinnen. Die Wolle ist nicht wie der 
Lexnckc, Aesthetik. 2. Aull. 18
        

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