Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180402
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Ein, zwei, nach Umständen. mehrere Henkel kommen nun dazu, 
verschieden nach der.Tragweise. Es versteht sich, dass ihr Ansatz 
Veranlassung werden kann zu einer besonderen Betonung des festen 
Anschlusses, sei es dass sie wie bei-ausgewachsen, oder festgenietet 
oder sich hineiuklammernd etc. gedacht werden. Man sieht, welche 
Mannigfaltigkeit sich schon aus dieser einen Form entwicläeln lässt. 
Sehen Wir nun weiter, wie für ein solches Gefäss Wohlgefallen zu er- 
wecken ist, so werden wir vor allen Dingen durch die Farbe eine 
ästhetische Wirkung bekommen. Ist das Material nicht von Natur 
wohl gefärbt, so wird man nachhelfen. "Es werden sich besonders die 
Abschlüsse oben und unten, dann der ausgebildete Fuss und das Ober- 
theil bieten, sie durch eine von der Rumpffxirbe verschiedene Farbe zu 
characterisiren. 
Soll eine grössere Mannigfaltigkeit hervortreten, so wird diese 
am leichtesten durch das Spiel von Linien bewirkt, die an Theilen 
oder am ganzen Gefiiss hervortreten. Hier werden Analogien aus der 
Natur sich neben Betonung der rein mathematischen Linienbildung 
bieten, dann die Uebertragungen verschiedenster Art aus dem Leben. 
Also z. B. Nachbildung der Flecken eines farbigen Eies, eines Netz- 
werkes, wie es im Geader von saftigen Früchten sich zeigt, eines Netz- 
werkes, wie es der Mensch bereitet, um eine Sache darin zu tragen 
oder sie fester zu machen, Nachbildungen von Saumen, Bändern, von 
Schuppen, dann reines Linienspiel, Arabesken u. dergl. 
Alles dieses kann nun durch Bemalung verstärkt werden, dann 
kann dieselbe auch für sich auftreten. Natürlich lässt sich hier nicht 
ihre Anwendung verfolgen. Nur wenige allgemeine Bemerkungen. Was 
die Blarben betrifft, so wird durch das Material selbst auf Erd- und 
Steinfarben hingewiesen, in weiterem Sinn auf die Farbe des Unorga- 
nischen. Darstellungen lassen sich zuerst an das Reich der Vegetation 
ansehliessen; das Blatt, das den Stein umsehliesst, der Zweig, die 
Ranke, ergehen sich daraus. Sodann aber wird die freie Phantasie die 
Verbindungen mit der Flüssigkeit und "alle die Gedankenverknüpfungen 
benutzen, welche sich aus dem Gebrauche des Gcfässes herleiten, um 
dasselbe zu zieren, es zu kennzeichnen und gleichsam lebendig zu 
machen. Eine Gefassbemalung, die mit einer Willkür verfährt, als 
ob es ein einzuralnnendes, nur sich selbst dienendes Bild zu malen 
gälte, kann keinen Anspruch auf kündtlerische Vernünftigkeit d. h. in 
gewisser Weise auf Stil machen. Dabei ist ferner darauf zu sehen, dass 
die Linien der Zeichnung mit den Linien der Gefässform sich vertragen. 
Die Schärfe und Festigkeit derselben bedingen einander. Eine ver- 
schwommene Malerei ohne kräftige Umrisse auf einem scharf ausge- 
prägten, stilvollen Gefass ist eine Verkehrtheit. Ein Haus mit einer 
Pappelallee und einem' Spaziergänger im Cylinderhut und Frack ist 
kein geschmackvolles Bild, um eine Theekanne zu zieren; der Ab-
        

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