Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180342
Der 
Schmuck. 
Die 
sogenannten 
technischen 
Künste. 
Viele Aesthetiker haben eine Unterscheidung zwischen hoher und 
niederer Kunst gemacht; man hat die letzte auch wohl anhangende, 
technische, nützliche Kunst u. s. w. genannt. Manche haben gar keine 
sogenannte nützliche Kunst gelten lassen, da nichts als Kunst anerkannt 
werden könne, was auf den Nutzen basirtsei und die Kunst absolut 
nutzlos sein müsse. Doch ist dies als Irrthum zu bekämpfen. Die Lehre 
ist unrichtig, dass die freie Kunst und die Nützlichkeit sich nicht mit 
einander vertrügen; es ist eine Theörie, die der guten Praxis geradezu 
zuwiderläuft. Ein nützlicher Gegenstand kann schön behandelt werden; 
nicht der Zweck eines Gegenstandes, sondern nur seine Schönheit kommt 
hinsichtlich der Kunst in Betracht. Der Töpfer, der Töpfe fabricirt, ist 
ein Handwerker; der Töpfer, der schöne Töpfe fabricirt, ist ein Künstler. 
Die Trennung und Ausscheidung der niederen oder nützlichen Künste, 
oder wie man sie nun nennen will, Künste, zu denen von Vielen auch 
die Arehitectur gerechnet wurde, war bequemer als gerecht. Sie hat 
übrigens viel geschadet; sie hat dazu beigetragen, das Ilandwerk herab- 
zudrücken, statt dass es Aufgabe der Wissenschaft gewesen wäre, das 
Handwerk in die Kunst zu erheben. Heutigen Tags ist ein [lmschwung 
bemerkbar; die Einseitigkeit einer solchen Auffassung ist namentlich 
durch die grossen Industrie-Ausstellungcn klar geworden. Einer der 
überzeugendsten und mächtigsten Bekämpfer der alten Ansicht ist G. 
Semper in seinem Werk: Der Stil. 
Das Alterthum kannte die genannte Theilung nicht. Die Alten 
schieden als geistige Künste die Poesie und Musik, dann auch die 
Orchcstik ans, in welcher der Mensch selbst Stoff ist. Aber Bildhauer, 
Maler, Baumeister waren als Bearbeiter niederer Stoffe Techniker. _Erst 
allmalig fing man an deren Werke zu den freien Künsten zu rechnen, wie 
jene hiessen (artes liberales). Auch dem Mittelalter war eine 'I'rcnnung 
von Kunst und lrlandwerk, wie sie uns geläufig geworden, fremd. Peter 
Viseher war ein ehrsamer Rothgiessermcister; Albrecht Dürer hatte
        

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