Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180304
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Stil. 
Manier. 
Aeusserlichkeit. Dann aber reisst auch hier das Uebel ein. Der künst- 
lerische Sinn wird stumpf, auch an seinen körperlichen Augen wie mit 
Blindheit geschlagen. Auch die Technik geht sodann verloren.  Zu 
Anfang sucht dieser Stil das Schöne vielfach in das allgemeiner und 
leichter Ansprechende, Reizende oder Ge- 
 waltsame zu verkehren. Man mag ihn 
es. darum auch wohl als Stil des Reizenden be- 
(j zeichnen. Eine herrliche Anschauung von 
  diesem giebt uns die Mediceische Venus. 
  Die Göttin verschämt! Die Liebesgöttin hält 
  die Ilände vor  dass dies streng genom- 
  ff meii zu keiner Darstellung einer Göttin passt, 
K 1T " 5a.   dass aus einer grossen Scene  dem Auf- 
i   m,   tauchen der Aphrodite aus dem Meer  ein 
"     Sceiichen gemacht wird, das an fehlende 
   Kleidungsstücke erinnert, das Alles küm- 
   mert den Künstler nicht. Er opfert eine 
f  5 strengere Schönheit dem Reize  freilich 
(t  Q5 einem wunderbaren Reize. 
  Wir hatten hierbei schon auf die Technik, 
 i," auf die Geschicklichkeit in der Behandlung 
 flf  eines Stoffes, Rücksicht zu nehmen. Diese 
 1' Behandlungsweise wird sich natürlich aus- 
Li xiäzßlliii- prägen; eine allgemeine, stetig wieder keh- 
-    rende Art und Weise muss sich für die Tech- 
 nik des Einzelnen, der Genossenschaften, de1. 
 Völker lierausstellen._ Mit der Technik geht 
    und veraiidert sich ein eigener Stil. Denken 
 Sgslplsfr   wir uns diese '1_echnik an einem Material ge- 
 g: Hi 1', ubt, etwa an einem Instrumente, einem Kla- 
 ft  vier. Das Klavier zu Anfang des vorigen 
ißf    Jahrhunderts war ein von dem heutigen 
   sehr verschiedenes. Der Componist, der da- 
f - i     für schrieb, war in seinem Kunstwerk, der 
 an das Instrument 
. iltßiül-INAIOI Hin gebunden. Dieses zwingt ihm also eine, na- 
Figä luedmischc Venus. meiitlich in _se1nen Gränzen fest bestimmte 
Art und Weise der Oomposition auf; nicht 
dem einzelnen, sondern allen Componisten, 
bis weitere Fortschritte in dem Bau des Klaviers gemacht sind. Wir 
werden also den Einfluss des Klaviers dieser Zeit in den Werken ent- 
decken. Noch einfacher zeigt sich der Stil, wenn man nur die tech- 
nische Behandlung eines Kunstwerkes ins Auge fasst. Ob der Bildhauer 
nur mit dem Meissel arbeitet oder ob er auch die Feile anwendet, wird
        

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